Flüchtlingsdrama in Italien: Kaum Asyl-Chancen für Afrikaner

16. Juli 2004, 23:12
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Ausweisung wird vorbereitet - Regierung bezweifelt Angaben der Flüchtlinge - Kritik am Vorgehen der Hilfsorganisation

Rom - Die italienische Regierung will die mit dem deutschen Schiff "Cap Anamur" in Sizilien gelandeten afrikanischen Flüchtlinge ausweisen. Die Regierung sehe die 37 Afrikaner als illegale Einwanderer an und bereite deren Ausweisung vor, teilte der italienische Flüchtlingsrat am Mittwoch mit. Der Gründer Hilfsorganisation "Cap Anamur", Rupert Neudeck, forderte unterdessen eine schnelle Freilassung des Leiters der Organisation, Elias Bierdel, des Schiffskapitäns Stefan Schmidt und des Schiffsoffiziers Vladimir Daschkewitsch aus italienischem Gewahrsam.

Der italienische Grünen-Abgeordnete Paolo Cento sagte, sollte die Männer tatsächlich ausgewiesen werden, würde das die "italienische Regierung bloßstellen, die unfähig ist, menschliche Dramen zu handhaben".

Kritik am Vorgehen der Hilfsorganisation

Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck hat Kritik am Vorgehen der Hilfsorganisation bei dem Flüchtlingsdrama geübt. Neudeck sagte am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin, nach der Aufnahme der 37 afrikanischen Schiffbrüchigen im Mittelmeer hätte es auch eine andere Möglichkeit gegeben, als einen italienischen Hafen anzusteuern. "Ich hätte empfohlen, Kurs auf Hamburg oder Lübeck zu nehmen", sagte der Cap-Anamur-Gründer. Von dort hätte man die Flüchtlingsproblematik der deutschen Öffentlichkeit besser erklären können.

Regierung bezweifelt die Angaben der Flüchtlinge

Die italienische Regierung bezweifelt die Angaben der Flüchtlinge, wonach diese aus dem Sudan stammen. Nach Ansicht der Regierung kommen 30 von ihnen aus Ghana, sechs aus Nigeria und einer aus Niger. Ihre in Italien gestellten Asylanträge sollten am Mittwoch von der Flüchtlingskommission des Innenministeriums geprüft werden. Die Afrikaner sind vorerst in einem Auffanglager in Agrigento untergebracht.

Freilassungsforderungen

Die italienischen Behörden sollten am Mittwoch zudem über das weitere Vorgehen gegen "Cap-Anamur"-Chef Bierdel, den Kapitän und den Ersten Offizier entscheiden, die nach der Ankunft der "Cap Anamur" im sizilianischen Hafen Porto Empedocle am Montag verhaftet worden waren. Die italienischen Behörden werfen ihnen "Begünstigung illegaler Einreise" vor.

Neudeck, forderte indes eine rasche Freilassung der Festgenommenen. "Man hat nicht den geringsten Anlass, diese Leute in Haft zu nehmen", sagte er am Mittwoch der dpa. "Das sind keine Leute, die sich irgendetwas zu Schulden haben kommen lassen. Man kann ihnen kein Verbrechen vorwerfen, höchstens Formfehler."

Neudeck wies gleichzeitig Vorwürfe einer Inszenierung des Flüchtlingsdramas zurück. Er schließe aus, dass es der Organisation um "Selbstdarstellung" gegangen sei, sagte Neudeck dem "Tagesspiegel" (Mittwoch-Ausgabe). Er räumte zugleich ein, dass auch er die Hilferufe von Bord der "Cap Anamur" für "völlig übertrieben" gehalten habe. "Aber das macht man in einer solchen Situation", sagte Neudeck. "Wenn Sie verantwortlich sind für 37 Menschen und kommen drei Wochen nicht von Bord, wird die Situation ziemlich ungemütlich und man wird nervös." (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Italienische Carabinieri vor dem Schiff Cap Anamur

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