Regierung plant neue Maßnahmen gegen Lehrlingsmisere

14. Juli 2004, 20:10
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Bartenstein verspricht jedem Jugendlichen einen Lehrgangsplatz - Lehrstellenlücke im Juni vergrößert - Lehrlingsboom in den nächsten Jahren erwartet

Wien - Um der immer prekärer werdenden Lage am Lehrstellenmarkt zu begegnen, plant die Regierung ab Herbst zusätzliche Maßnahmen. Es gelte weiterhin, dass "jeder Jugendliche zumindest einen Lehrgangsplatz offeriert bekommt", sagte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V) am Mittwoch in Wien bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und dem Lehrlingsbeauftragten der Regierung, Egon Blum.

Zwar hat sich im Juni die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen im Jahresvergleich um 5,4 Prozent oder 1.761 auf 30.673 vermindert, zugleich hat sich aber auch die Lehrstellenlücke laut Arbeitsmarktservice (AMS) auf 1.188 (Juni 2003: 1.013) vergrößert.

3.460 Lehrstellensuchenden - das waren um 77 weniger als im Juni 2003 - standen 2.272 als offen gemeldete Lehrstellen gegenüber. Das sind um 252 oder 10 Prozent weniger offene Lehrstellen als im Juni des Vorjahres. Laut Blum ist in den nächsten Jahren mit zusätzlich 8.000 Jugendlichen zu rechnen, die auf den jetzt schon angespannten Lehrlingsmarkt strömen werden.

"Niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Europa"

"Österreich hat mit 6,9 Prozent nach wie vor die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Europa", hob Bartenstein hervor. Die Maßnahmen der Regierung zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit würden greifen.

Obwohl die Gesamtzahl der gemeldeten offenen Lehrstellen derzeit rückläufig sei, würde in einigen Branchen, wie den Bauberufen, der Holzverarbeitung und in den technischen Lehrberufen die Nachfrage nach Lehrlingen leicht steigen.

Auch bemühe sich das AMS die Dauer der Vermittlung zu reduzieren. Insgesamt würden 37,4 Prozent aller Jugendlichen eine Lehre beginnen. Damit liege man noch unter der angepeilten 40 Prozent-Marke.

Lehrlingsauffangnetz verlängert

Um die Lehrlingsausbildung auch für die Zukunft zu sichern, sei das Lehrlingsauffangnetz nach dem Jugendausbildungsgesetz (JASG) zuletzt um zwei weitere Jahre verlängert worden, so Bartenstein weiter. Das AMS sei beauftragt worden, ab Herbst die Zahl der Lehrgangsplätze auf 7.000 aufzustocken.

Für die Schulabgänger des vergangenen Herbstes seien rund 50 Mio. Euro eingesetzt und 6.300 Lehrgangsplätze zur Verfügung gestellt worden. Ab Herbst werde es auch 500 neue überbetriebliche Ausbildungsplätze für Jugendliche mit besonderem Betreuungsbedarf bzw. in Regionen mit zu wenig Lehrausbildungsbetrieben geben. Künftig sollen auch mehrjährige überbetriebliche Ausbildungen angeboten werden.

Die Schule sei ein wichtiger Partner für eine gute Lehrlingsausbildung, betonte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. Ab kommenden Herbst soll die Berufsorientierung verstärkt werden, jeder Schüler soll einen "Berufsorientierungspass" erhalten.

Berufsmatura

Die Schnupperlehre der Polytechnischen Schulen soll auch auf die 5. Klasse Gymnasium, auf Schulabgänger der 4. Klasse Hauptschule und 1. Klasse Berufsbildende Schule ausgeweitet werden. Die Informationskampagne "Lehre + Matura" soll verstärkt und in "Berufsmatura" umbenannt werden.

Sie werde sich bemühen, dass die Berufsmatura auch in anderen EU-Ländern anerkannt wird, so Gehrer. Die Berufsmatura sei jetzt schon ein Erfolgsmodell, rund 7.000 Personen bereiten sich derzeit darauf vor, 5.500 Abgänger studieren an einer Universität.

Praktikerberufe

Weiters sollen neue "Praktikerberufe" geschaffen werden. Dabei handelt es sich um dreijährige Lehrberufe, bei denen der theoretische Schulausbildungsteil geringer ist und die Praxiskompetenz im Berufsbild dominiert.

Weit gediehen sind dabei die Vorarbeiten im Metallbereich. Andere Praktikerberufe wie Holzpraktiker und Natur- und Umweltpraktiker sind in Planung und werden voraussichtlich im nächsten Jahr angeboten werden.

"2006 kommt es knüppeldick"

"2006 kommt es knüppeldick", so der Lehrlingsbeauftrage der Regierung, Egon Blum, zu den erwarteten zusätzlichen Lehrlingszahlen. In den nächsten Jahren kommen laut Blum 8.000 Jugendliche neu auf den jetzt schon angespannten Lehrlingsmarkt. 2004 und 2005 sei der Anstieg jeweils noch relativ gering, weshalb jetzt die beste Chance zur Vorbereitung bestehe.

Die als "Lehrstellenakquisiteure" bezeichneten Lehrstellenbetreuer hätten bisher über 500 Betriebe kontaktiert und seien gut aufgenommen worden. Er sei guten Mutes, in den nächsten Jahren Ergebnisse vorweisen zu können, so Blum. (APA)

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