Theologe Hasenhüttl hofft auf "gute Nachricht" aus Rom

15. Juli 2004, 11:40
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Katholischer Priester wurde wegen Eucharistiefeier mit Protestanten vor einem Jahr suspendiert

Trier/Saarbrücken- Der vor einem Jahr suspendierte katholische Priester und emeritierte Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl hofft auf eine Aufhebung der gegen ihn verhängten Sanktion durch die römische Glaubenskongregation. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es bei diesem Unrecht bleibt", sagte der aus Österreich stammende Theologe, wenige Tage vor dem Jahrestag seiner Suspendierung. Hasenhüttl wurde am 17. Juli 2003 vom Bischof von Trier, Reinhard Marx, wegen einer unerlaubten "offenen" Eucharistiefeier mit Protestanten am Rande des ersten Ökumenischen Kirchentages in Berlin suspendiert.

Der Vatikan hatte die Suspendierung am 3. Juni bestätigt. In einem so genannten Rekurs gegen diese Entscheidung von Kurienkardinal Joseph Ratzinger beruft sich der 70-Jährige nun unter anderem auf zahlreiche Fälle im Kirchenalltag, in denen evangelische und katholische Christen gemeinsam das Abendmahl feiern. Der Theologe, der seit mehr als 40 Jahren Priester ist, sieht sich dadurch legitimiert, dass nun die gesamte Glaubenskongregation den Fall abschließend entscheiden müsse, nachdem zuletzt nur ein "kleiner Kreis" um Ratzinger seinen ersten Rekurs bearbeitet habe.

Machtmissbrauch und Fundamentalismus

Hasenhüttl warf der katholischen Amtskirche Machtmissbrauch und Fundamentalismus vor. "Die Eucharistie wird von einigen katholischen Kirchenfürsten als Abgrenzung zur evangelischen Kirche missbraucht", beklagte der Priester. Damit werde ein echter Dialog verhindert. Unterdessen ist Hasenhüttl wegen der aufschiebenden Wirkung seines Rekurses weiter voll im Amt, feiert Messen, Taufen und Trauungen und betreut als emeritierter Professor der Universität des Saarlandes Doktoranden, Kolloquien sowie Prüfungen.

Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Giovanni Lajolo, hatte alle Versuche verurteilt, eine "ökumenische Mahlgemeinschaft" zwischen Katholiken und Protestanten demonstrativ durchzusetzen. Papst Johannes Paul II. hatte in einer Enzyklika der Idee eines "gemeinsamen Abendmahls" von Katholiken und Protestanten eine eindeutige Absage erteilt und alle Katholiken aufgefordert, nicht einer "Zweideutigkeit über die Natur der Eucharistie Vorschub zu leisten". Nach katholischer Lehre verwandelt der Priester bei der Eucharistiefeier Hostie und Wein in Leib und Blut Jesu (Transsubstantiation); die Protestanten kennen das Mysterium nicht und haben auch kein Sakrament der Weihe.(APA)

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