Die Lacke als kränkelndes Sorgenkind

19. Juli 2004, 14:47
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Drei Viertel der seltenen Biotope im burgenländischen Seewinkel verschwanden im letzten Jahrhundert

Illmitz - In den vergangenen 100 Jahren sind von den etwa 130 Lacken im burgenländischen Seewinkel mehr als 100 verschwunden. Gab es 1850 noch 139 Salz- und Sodalacken, waren es im Jahr 2000 nur mehr 34. Die Gründe für den Rückgang dieser Biotope sind vielfältig. Das Aussüßen der Lacken, der niedrige Grundwasserstand, sowie die Verlandung sind einige Faktoren, die das Lackensterben vorantreiben. An einem Renaturierungsmodell, das am Dienstag in Ilmmitz präsentiert wurde, arbeiten derzeit Wissenschafter mehrerer Fakultäten.

Besonders wichtig für das Überleben der Lacken sei, so eigenartig es auch klingen mag, die sommerliche Phase der scheinbaren Austrocknung, so Univ. Prof. Dr. Rudolf Krachler von der Universität Wien. Während die Sonne unbarmherzig von der Oberfläche jeden Tropfen Wassers verdampft, zieht sich Liter um Liter des nahen Grundwassers an die Oberfläche, wobei sich in ihm gelöste Salze an der Oberfläche anreichern und "ausblühen". Und eben das ist es, was die Lacken am Leben erhält. Die Seerandlacken erscheinen zur Zeit stabil, jene des zentralen Seewinkels seien hingegen echte Sorgenkinder, erläuterte Krachler.

Stilles Schwinden

Während massive Veränderungen im Bereich der Langen Lacke und Wörthenlacken in der Öffentlichkeit Beachtung finden, verschwinden andere, ohne dass man davon Notiz nimmt. Das Aus für die Lacken vollziehe sich meist sehr rasch, so der Experte. Es genügt schon ein heißer Sommer in einem niederschlagsarmen Jahr und die für diesen Lebensraum so wichtigen, gewohnt intensiven Salzausblühungen bleiben aus.

Die Salzkruste ist es aber, die keine Samen keimen lässt. Bleibt dieses Phänomen aus, steht einer Begrünung des Lackenbodens nichts mehr im Wege. Anstatt mit weißem "Sodaschnee" überzieht sich nun die Lacke mit einer grünen Vegetationsschicht. Für dieses Ausbleiben der Salzausblühungen gibt es nur eine einzige Erklärung: Der Grundwasserspiegel ist so tief gesunken, dass er zur Zeit des sommerlichen Trockenfallens den Lackenstauhorizont nicht mehr erreicht und daher kein Salz mehr an die Oberfläche transportiert werden kann, so Krachler.

Renaturierung

Im nun gestarteten wissenschaftlichen Projekt, in dem Experten verschiedener Fakultäten zusammenarbeiten, sollen an Lacken, die einen starken Salzentzug aufweisen und in den letzten Jahrzehnten Flächenverluste erlitten haben, verschiedene Renaturierungskonzepte erprobt werden. Als erster Schritt wird der Ist-Zustand ausgewählter Lacken wie Krautingsee (Illmitz), Kleine Neubruchlacke und Martinhoflacke (Apetlon) im Hinblick auf den Chemismus, die mikrobielle Flora, die Vegetation und die Planktonfauna genau erhoben.

In einem zweiten Schritt werden dann geeignete Managementmaßnahmen zur Wiederherstellung der Lacken gesetzt. Dazu müssen in jedem Fall die Erfordernisse des Naturschutzes, wie auch die Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden. Flankiert werden diese Maßnahmen durch wissenschaftliche Begleituntersuchungen. Als Endergebnis soll ein Renaturierungsmodell entwickelt werden, das auch in anderen Lacken einsetzbar ist. Langfristige Überlegungen beinhalten auch die Hebung des Grundwasserspiegels, sowie die Anlage von breiten Schutzzonen rund um jede Lacke, berichtete der Leiter des Projekts, Alexander Kirschner.

Das Projekt

"Die Gesamtkosten dieses Projektes von rund 77.000 Euro werden zu 100 Prozent über den Ziel 1 Schwerpunkt ländliche Entwicklung von EU, Bund und Land getragen. Beaufsichtigt wird das Projekt zur Rettung der Lacken des Seewinkels vom Österreichischen Naturschutzbund," erklärte Landesrat Paul Rittsteuer. Die winzigen Biotope, sprich jede einzelne Lacke, sind übrigens Heimat für 116 Vogelarten. Darunter sind Schwimmvögel, Limikolen (Watvögel), Möwen und Seeschwalben sowie neun Gänsearten. (APA)

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