Schwere Zeiten für die Nutzer des Internet Explorers

27. Juli 2004, 13:41
29 Postings

Experten: "Durch schwere Sicherheitslücken ist Nutzung wie die Teilnahme an einer Lotterie" - Rat zum Umstieg auf Opera oder Mozilla

Es waren zuletzt schwere Zeiten für die Nutzer des Internet Explorers von Microsoft. Nach einer Serie von Angriffen auf die Schwachstellen des Browers empfahlen ihnen viele Sicherheitsexperten, für das Surfen im Internet doch Alternativen wie Mozilla oder Opera in Betracht zu ziehen. Die weitere Benutzung des Internet Explorers sei wie die Teilnahme an einer Lotterie, erklärte Johannes Ullrich, Cheftechniker des unabhängigen Forschungszentrums SANS.

Zumindest so lange die Sicherheitslücken im Internet Explorer andauern

Die Organisation empfiehlt wie andere auch den Einsatz der Alternativ-Browser, zumindest so lange die Sicherheitslücken im Internet Explorer andauern. Die Umstellung auf andere Browser sei vielleicht mit Problemen verbunden, das sei aber nichts im Vergleich zu den Problemen, die es bei der Umsetzung der Sicherheitshinweise von Microsoft zum Stopfen der Lücken im Internet Explorer gebe. Dies könne den Zugang zu Multimedia-Inhalten oder das Ausfüllen von Formularen verhindern, sagt Ullrich.

Spione

Noch immer sind Schadprogramme in Umlauf, die wichtige Daten oder eingetippte Passwörter ausspionieren. Erst kürzlich wurde ein hinter Pop-Up-Anzeigen auftauchendes Spionageprogramm entdeckt. Microsoft arbeitet daran, die Lücken zu stopfen. Allerdings werden die Patches von vielen Nutzern nicht installiert.

)5 Prozent nutzen den Browser von Microsoft

Der Internet Explorer ist für Hacker allein deshalb sehr interessant, weil fast alle Internet-Nutzer ihn einsetzen - nach Daten von WebSideStory sind es 95 Prozent. Er ist eng mit dem Windows-Betriebssystem und dem Mail-Programm Outlook verbunden, was natürlich Sicherheitslösungen zusätzlich erschwert.

Erst im Laufe dieses Sommers

Der Internet Explorer ist zwar von seiner Funktionalität her nicht einzigartig, aber er gibt Entwicklern von Web-Sites viele Freiheiten - was es wiederum Hackern erleichtert, Lücken für ihre Angriffe zu finden. Mit dem nächsten Update von Windows XP - dem so genannten Service Pack 2 - wären viele Angriffe der jüngsten Zeit gar nicht möglich gewesen, erklärt Microsofts Sicherheitsdirektor Gary Schare. Aber das Service Pack 2 wird erst im Laufe dieses Sommers erwartet.

Übereilt

Schare hält die Empfehlungen einiger Experten, andere Browser zu nutzen, für übereilt. Aber selbst wenn viele dem folgen, die Spitzenposition des Internet Explorers ist kaum gefährdet. Die meisten Nutzer interessieren sich einfach nicht für Alternativen. Die Firma Opera Software ASA, Hersteller des gleichnamigen Browsers, konnte keine wesentlichen Veränderungen bei den Downloads feststellen. "Das hat nichts mit Loyalität gegenüber Microsoft zu tun", sagt Geoff Johnston, Analyst von WebSideStory. "Die Nutzer sind einfach teilnahmslos."

Troubles

Ein Grund für die Zurückhaltung ist, dass es bei einer Umstellung Schwierigkeiten geben kann. Denn etliche Web-Sites sind so gestaltet worden, dass sie nur vom Internet Explorer optimal auf den Bildschirm gebracht werden. Toolbars zum Beispiel von Google, MSN oder anderen Anbietern gibt es nur für den Internet Explorer. Und viele Web-Entwickler testen ihr Produkt nach wie vor auch nur mit dem Microsoft-Browser.

Vielfalt

Manche Experten empfehlen andere Browser aber nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch um die Vielfalt zu fördern. Dies würde die Auswirkungen eines Angriffs zumindest schon etwas mindern. Leider schützen aber auch die alternativen Browser nicht absolut sicher. Immer wieder werden auch in Mozilla oder Opera Sicherheitslücken entdeckt, über die Schadprogramme ausgeführt werden könnten. Auch hier sollte man in Sicherheitsfragen immer auf dem letzten Stand bleiben. (APA/AP)

  • Artikelbild
Share if you care.