Israel bereitet sich auf "Tag nach Arafat" vor

14. Juli 2004, 18:50
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Palästinensischer Präsident soll bei schwerer Erkrankung in ein anderes Land gebracht werden

Jerusalem - Das israelische Außenministerium hat Pläne für den "Tag nach Arafat" ausgearbeitet. Die internen Richtlinien stehen in Einklang mit Vorbereitungen, die das israelische Militär schon vor neun Monaten eingeleitet und teilweise "erprobt" hat, wie der Militärrundfunk am Mittwoch berichtete. Die israelischen Behörden befürchten ein "Tohuwabohu" in den palästinensischen Gebieten nach dem Tod von Präsident Yasser Arafat. Im Fall einer ernsthaften Erkrankung sollte er zur Behandlung in ein anderes Land gebracht werden, damit Israel nicht für sein Ableben verantwortlich gemacht werden könne, hieß es.

Nach den bekannt gewordenen Vorschlägen will Israel die Beisetzung Arafats auf dem Jerusalemer Tempelberg verhindern. Sein Leichnam solle in Abu Dis, vor den Toren Jerusalems, begraben werden. Westliche Diplomaten in Ramallah erzählten kürzlich, dass israelische Soldaten rund um die belagerte Mukata, das Hauptquartier Arafats, die Lage nach dessen Ableben "geprobt" hätten.

Die USA hatten im April den israelischen Regierungschef Ariel Sharon vor jedem Versuch gewarnt, seine Tötungsdrohungen gegen den palästinensischen Präsidenten zu realisieren. Ebenso müsse Israel von einer Zwangsexilierung Arafats Abstand nehmen, hatte das Weiße Haus erklärt. Sharon hatte zuvor seine Todesdrohungen gegen Arafat erneuert. Er sagte, dass das den USA vor drei Jahren gegebene israelische Versprechen, dem palästinensischen Präsidenten keinen "physischen Schaden" zuzufügen, nicht mehr gelte.

Das israelische Sicherheitskabinett hatte im September vergangenen Jahres "im Prinzip" beschlossen, sich Arafats zum gegebenen Zeitpunkt zu "entledigen". Sicherheitsminister Tzahi Hanegbi hatte allerdings bestätigt, dass sich Sharon gegenüber der US-Regierung verpflichtet habe, die "physische Integrität" Arafats nicht anzutasten. Dies habe Präsident George W. Bush persönlich von ihm verlangt. Sharon selbst hatte wiederholt öffentlich Bedauern darüber ausgedrückt, dass Israel Arafat nicht vor über zwanzig Jahren während des Libanon-Krieges in Beirut "liquidiert" habe. (APA)

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