Zeitung: Serbischer General will sich UNO-Tribunal stellen

15. Juli 2004, 19:06
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Lukovic ist wegen Kriegsverbrechen im Kosovo angeklagt

Belgrad - Einer von vier serbischen Generälen, die wegen Kriegsverbrechen im Kosovo angeklagt sind, will sich freiwillig dem UNO-Tribunal in Den Haag stellen. Laut der Belgrader Tageszeitung "Glas javnosti" handelt es sich um Polizeigeneral Sreten Lukic, der im Frühling 1999 vom damaligen serbischen Innenminister Vlajko Stojiljkovic beauftragt worden war, Spuren von Kriegsverbrechen zu beseitigen. Stojiljkovic selbst, der ebenfalls vom Haager Tribunal angeklagt war, hatte im April 2002 Selbstmord begangen, um einer Auslieferung zu entgehen.

"Sollte es keinen anderen Ausweg geben, wird Lukic, meiner Meinung nach, freiwillig nach Den Haag gehen, da es sich um einen ehrlichen und mutigen Mann handelt", zitiert das Blatt ein Polizeiquelle. Neben Lukovic sind drei weitere serbische Generäle angeklagt: Der frühere jugoslawische Generalstabchef Nebojsa Pavkovic, der ehemalige Kommandant des Pristina-Korps Vladimir Lazarevic sowie Polizeigeneral Vlastimir Djordjevic.

Der serbisch-montenegrinische Verteidigungsminister Prvoslav Davinic hatte vorige Woche im Gespräch mit US-Außenamtssekretär Marc Grossman erklärt, dass Pavkovic und Lazarevic, die sich in Belgrad aufhalten, schwer krank seien. Djordjevic soll sich in Moskau aufhalten. Lukovic wird in Belgrad vermutet.

Entscheidung über Zusammenarbeit

Der serbische Vizeministerpräsident Miroljub Labus sagte der Tageszeitung "Blic", die kommenden zwei Monate seien für die Zusammenarbeit Serbiens mit dem Haager Tribunal "entscheidend". "Wir werden zuverlässige Angaben machen müssen, wo sich die Angeklagten befinden und endgültig das Gesetz (zur Zusammenarbeit mit dem Tribunal, Anm.) anwenden müssen", so Labus, der Vorsitzender der "G17-plus"-Partei ist.

Der serbisch-montenegrinische Außenminister Vuk Draskovic hatte Anfang Juli die Auslieferungsverfahren für die vier serbischen Generäle eingeleitet. Das zuständige Belgrader Kreisgericht hat die im Gesetz vorgesehenen Schritte - Identifizierung der Angeklagten und ihre Festnahme - allerdings noch nicht unternommen. Innerhalb der serbischen Regierungskoalition herrscht offensichtlich Uneinigkeit über die Zusammenarbeit mit dem Kriegsverbrechertribunal. Der Widerstand scheint aus den Reihen der Demokratischen Partei Serbiens (DSS) von Ministerpräsident Vojislav Kostunica zu kommen. (APA)

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