Jeder 15. Lastwagen erwies sich als schrottreif

22. Juli 2004, 15:36
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2600 "rollende Zeitbomben" aus dem Verkehr gezogen - Häufigste Mängel betreffen Bremsanlagen und Achsaufhängung - mit Grafik

In Österreich sind Tausende schrottreife Schwerfahrzeuge unterwegs. Bei Kontrollen im ersten Halbjahr musste jeder fünfte beanstandete Lkw oder Bus wegen schwerer technischer Mängel aus dem Verkehr gezogen werden. Experten fordern höhere Strafen.

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Wien - "Die Druckluftverbindung zum Bremszylinder wurde mittels Wasserschlauch hergestellt"; "Die ganze Anlage ist ohne Bremsflüssigkeit" - viele Protokolle von Lkw-Kontrollen in Österreich lesen sich wie Horrorgeschichten. Und wenn die Techniker der Bundesprüfanstalt intern von einem "Kojak" sprechen, haben sie wieder einmal einen Lastwagen erwischt, dessen abgefahrene Reifen an die polierte Glatze von Telly Savalas erinnern.

Gefahr in Verzug

Bei 33.838 im ersten Halbjahr untersuchten Lkw und Bussen wurden 29.662 Gesetzesübertretungen festgestellt. Jedes fünfte von knapp 13.000 beanstandeten Fahrzeugen (also 2600) war schrottreif und musste wegen Gefahr in Verzug aus dem Verkehr gezogen werden. Diese erschreckende Bilanz gab Verkehrsminister Hubert Gorbach (FP) am Mittwoch bekannt.

Häufigste Mängel

Die häufigsten Mängel betreffen Bremsanlagen, Achsaufhängung, Bereifung, Lenkung und Beleuchtung. "Auffällige Fahrzeuge werden zu einem Prüfzug mit technisch geeichten Geräten gebracht", erklärte Gerald Pöllmann von der Bundesprüfanstalt. Dort werden Lkw und Busse genau unter die Lupe genommen.

Mehr Kontrollen

Auch weniger schwere Mängel seien "keine Kleinigkeiten", betonte Pöllmann. Die "Sünden" hielten sich bei in-und ausländischen Lkw die Waage. Im Vergleich zum Vorjahr wurden die Kontrollen heuer um 50 Prozent gesteigert. Gorbach kündigte eine Fortsetzung der strengen Aktionen an. Wenn sich bis zum Jahresende die Situation nicht verbessere, werde er über höhere Strafen nachdenken.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) forderte angesichts des rasant zunehmenden Schwerverkehrs raschere Maßnahmen. Es sei zu befürchten, dass jeder 15. Lkw auf Österreichs Straßen eine "rollende Zeitbombe" sei. Im Vorjahr starben bei 2166 Unfällen mit Lkw 144 Menschen, weitere 2892 wurden verletzt.

Lkw-Frontalcrash

Die Serie erhielt Mittwochnachmittag traurige Fortsetzung: Bei einem Lkw-Frontalzusammenstoß auf der A1 bei Wien-Auhof wurde einer der Lenker getötet, der andere schwer verletzt. Warum der Richtung Salzburg fahrende Lastwagen die Leitschiene durchbrochen und auf die Gegenfahrbahn geraten war, blieb zunächst unklar. Die Westautobahn war mehrere Stunden gesperrt.

Für SPÖ-Sicherheitssprecher Rudolf Parnigoni ist die Regierung für die "erschreckenden Zustände" verantwortlich. Die Vorbereitung auf die EU-Erweiterung sei mangelhaft gewesen, ernsthafte Bemühungen, um den Schwerverkehr auf die Schiene zu bekommen, seien ausgeblieben. Die Grünen vermissen flächendeckende Lkw-Kontrollen. (simo, DER STANDARD Printausgabe 15.7.2004 )

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