Koma-Patient erwachte nach 19 Jahren

15. Juli 2004, 20:27
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Terry Wallis wurde zur Berühmtheit, nach Therapiebeginn wurde es still um den Wunderpatienten

Little Rock (APA/dpa) - Als Terry Wallis vor gut einem Jahr im kleinen Ort Big Flat im US-Bundesstaat Arkansas die Augen aufschlug und zu sprechen begann, glaubte die ganze Welt an ein Wunder. Der heute 40-Jährige war 19 Jahre im Koma gelegen. Das unglaubliche Erwachen machte Schlagzeilen. Doch die meisten Reporter jagten bald der nächsten Sensation hinterher. Es wurde schnell wieder ruhig bei der Familie Wallis, die den langen Weg der Rehabilitation begann.

Ganze Sätze

"Es geht Terry wirklich gut", versichert seine Mutter Angilee Wallis. Ihr Sohn, der seit einem Unfall 1984 im Koma gelegen war, habe immense Fortschritte gemacht. "Pepsi" und "Mama" waren damals seine ersten Worte. Doch im Laufe weniger Wochen habe er ganze Sätze gesprochen und begonnen, seine gewohnten Witze zu machen.

Kurzzeitgedächtnis ist schwach

"Er erkennt inzwischen jeden, den er vor seinem Unfall kannte", sagt Wallis. "Mit dem Kurzzeitgedächtnis hapert es aber noch." Länger als zehn oder 15 Minuten könne Terry sich nicht zurückerinnern, sagt der Sprecher der Familie, Drew Nederpelt. Wallis ist nach wie vor querschnittgelähmt.

Berühmtheit mit hohen Arztkosten

Zur Finanzierung der teuren Behandlung hat die Familie ein Spendenkonto eingerichtet, denn Terry's Berühmtheit war von kurzer Dauer, und die Krankenversicherung übernimmt die Kosten nicht. Auf das Wunder des Erwachens folgte schnell die Realität einer mühsamen Rehabilitation und hoher Rechnungen.

Zeit war stehen geblieben

Für Terry Wallis war die Zeit 1984 stehen geblieben. Beim Erwachen glaubte er, Ronald Reagan sei US-Präsident und Bill Clinton Gouverneur von Arkansas. Seine Tochter Amber ist inzwischen 20, "doch tief im Innern glaubt Terry, noch immer ein sechs Monate altes Baby zu haben, wie damals, zur Zeit seines Unfalls", sagt Angilee Wallis. Ihr Sohn habe die Mentalität eines 19-Jährigen und könne auch nicht glauben, dass er einen schweren Autounfall hatte. "Zwei Jahrzehnte lassen sich nicht in einem Jahr aufholen", sagt sie.

Keine medizinische Erklärung

Koma-Spezialisten haben keine medizinische Erklärung für das wundersame Erwachen. Für die Familie steht fest: Es war die aufopfernde Pflege der Mutter. 19 Jahre lang besuchte sie ihren Sohn jeden Tag im Pflegeheim und erzählte aus dem Leben, ohne auch nur das kleinste Signal zu erhalten. Die Familie holte Terry auch damals oft zu Ausflügen ab und feierte jedes Jahr Weihnachten wie immer gemeinsam zu Hause unter dem Tannenbaum.

Mit derselben Hingabe konzentriert sich die Familie nun voll auf die weitere Rehabilitation und feiert jeden Fortschritt. Einen anderen Grund zum Feiern hatte die Familie vor drei Monaten: Terrys Tochter Amber brachte seine erste Enkelin zur Welt. (APA)

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