Intel: Steigende Lagerbestände belasten Weltbörsen

28. Juli 2004, 11:18
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Weltgrößter Chip-Konzern senkt trotz Rekordumsatz Gewinn­margen-Prognose - Keine Gewinn­warnung - Technologiewerte dennoch im Minus

San Francisco/München/Wien - Steigende Lagerbestände und eine Senkung des Ausblicks auf die heurige Gewinnmarge beim weltgrößten Chip-Hersteller Intel haben am Mittwoch die Weltbörsen belastet. Zwar hat Intel Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal 2004 erwartungsgemäß deutlich gesteigert. Genauso kräftig sind aber auch die Lagerbestände angewachsen und die Bruttogewinnmarge lag mit 59,4 Prozent knapp unter den angepeilten 60 bis 61 Prozent. Für das Gesamtjahr hat das Unternehmen daraufhin die Prognose für den Anteil des Bruttogewinns am Umsatz von 62 auf 60 Prozent gesenkt.

Intel Deutschland-Manager Hannes Schwaderer betonte zwar, dass es sich dabei um keine Gewinnwarnung des Konzerns handle, weil der Margenrückgang nur auf einen überraschend starken Umsatzanstieg bei margenschwachen Produkten zurückzuführen sei. Die weltweiten Leitbörsen haben den Intel-Zwischenbericht dennoch negativ aufgenommenen. Der DAX lag bis zu Mittag (12 Uhr) 1,12 Prozent im Minus. Der europäische Dow Jones-Technologieindex gab am Vormittag 1,5 Prozent nach und in Japan ist der Nikkei-Index sogar mit einem Abschlag von 2,17 Prozent aus dem Handel gegangen. Verloren haben vor allem Technologiewerte, der größte Verlierer war Infineon mit minus 3,7 Prozent. Die Intel-Aktie selbst sank nachbörslich fast 5 Prozent auf 24,89 Dollar.

Lagerbestände angewachsen

Von April bis Juni sind die Intel-Lagerbestände um 15 Prozent auf 3,22 Mrd. US-Dollar (2,60 Mrd. Euro) angewachsen, teilte das Unternehmen am Dienstag nach US-Börsenschluss mit. "Das heißt, dass sie größere Kapazitäten haben als sie brauchen, um die Nachfrage zu erfüllen, und wenn das der Fall ist, könnten die Margen deutlich nachlassen", erklärte ein Analyst. Dem Platzen der Internet-Blase 2000 war ein Lageraufbau der Hardware-Hersteller vorausgegangen. Intel-Finanzchef Andy Bryant kündigte aber einen Lagerabbau bis zum Jahresende um mehrere hundert Mio. Dollar an. Intel werde den Ausstoß einiger Produkte reduzieren.

Auch für Schwaderer sind die gestiegenen Lagerbestände kein Grund zur Sorge. Grund dafür seien keine Überkapazitäten, sondern eine Verbesserung der Produktion gewesen, die die eigenen Erwartungen übertroffen habe. Schon mit Beginn des laufenden dritten Quartals habe man begonnen, die Bestände wieder abzubauen. Die schwächere Nachfrage im zweiten Quartal sei saisonal üblich, von einem generellen Abschwung könne keine Rede sein, so der Intel-Manager, der "weiterhin ein Wachstum in allen Bereichen" erwartet.

Umsatzerhöhung

Im zum 26. Juni abgelaufenen Quartal erhöhte Intel den Umsatz im Vorjahresvergleich um 18 Prozent auf 8,05 Mrd. Dollar, wobei insbesondere Chips für Handys und andere elektronische Kleingeräte zulegen konnten. Der Gewinn verdoppelte sich im Vorjahresvergleich mit 27 (14) Cent je Aktie beinahe. Intel traf damit die Erwartungen der Investoren.

Für das dritte Quartal prognostiziert der Konzern eine weitere Umsatzsteigerung auf 8,6 bis 9,2 Mrd. Dollar. Von Reuters befragte Analysten rechneten bislang durchschnittlich mit 8,77 Mrd. Dollar. Auf die weitere Entwicklung der Technologiebranche angesprochen, sagte Bryant: "Was wir sehen, ist eine recht typische zweite Jahreshälfte." Intel stellt überwiegend Mikroprozessoren her und ist in diesem Segment mit deutlichem Abstand Marktführer vor Advanced Micro (AMD), der am Mittwoch seine Ergebnisse präsentiert. Die Zahlen von Intel gelten als wichtiger Indikator für die gesamte Branche.(APA/Reuters)

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