Fallbeispiele: Haupt legt Gegenbeispiele zu AK-Verlustrechnungen vor

17. Juli 2004, 18:50
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Arbeiterkammer: Über 20 Prozent Verlust möglich - Sozialministerium mit positiven Fallbeispielen

Wien - Auch die Pensionsharmonisierung wird manche Österreicher nicht vor herben Einbußen bei ihrem Ruhestandsbezug bewahren. Fallbeispiele der Arbeiterkammer zeigen Verluste von über 20 Prozent. Dafür verantwortlich ist, dass der eingezogene Verlustdeckel nicht für die Abschläge bei früherem Pensionsantritt gilt. Gut dran sind nur Personen, die heuer in Pension gegangen sind und deren Einbußen nachträglich abgemildert werden.

Im Folgenden ein Beispiel:

Herr Karl Heinz D:

Berufseinstieg mit 15 (Lehrling), Pensionsantritt mit 61 Jahren 4 Monaten am 1. Februar 2004 (vorzeitige Alterspension wegen langer Versicherungsdauer). Insgesamt liegen zum Stichtag 1.2.2004 43,42 Versicherungsjahre vor.

Herr D hätte vor Inkrafttreten der letzten Pensionsreform (2003) noch einen Ruhestandsbezug von 2.248,79 Euro erwarten dürfen. Nach dieser Reform kommt er nur noch auf 2.023,91 Euro. Da allerdings der Verlustdeckel nun nachträglich von zehn auf vorerst fünf Prozent gesenkt wird, erhält Herr D nun 112,44 Euro pro Monat zurück und kommt auf einen Pensionsbezug von 2.136,25 Euro.

Altes Pensionsrecht: 2.248,79

Derzeitiges Pensionsrecht: 2.023,91

Harmonisiertes Pensionsrecht: 2.136,25

Wäre Karl Heinz D nun zehn Jahre später geboren, sähe die Sache schon ungünstiger aus:

Nunmehr könnte er erst mit 62 Jahren (Pensionskorridor-Beginn) den Ruhestand antreten. Damit müsste er aber mit Abschlägen von drei mal 4,2 Prozent rechnen. Hinzu käme, dass der Verlustdeckel mittlerweile auf 7,5 Prozent angestiegen ist. Damit käme er statt auf die 2.248,79 Euro des alten Systems nur noch auf 1.818,03 Euro. Der Gesamtverlust betrüge dann laut AK 19,1 Prozent.

Wäre Karl Heinz D noch zehn Jahre später geboren, wären die Verluste noch empfindlicher:

Zwar ginge Herr D auch dann mit 62 Jahren in Pension. Jedoch ist mittlerweile der Verlustdeckel wieder auf zehn Prozent angelangt und die Abschläge werden zusätzlich voll wirksam. Vom bereits bekannten Ursprungswert von 2.248,79 Euro bleiben somit nur noch 1.768,89 Euro über. Der Verlust hätte sich damit auf 21,34 Prozent erhöht.

Pensionsantritt 2003: 2.248,79

Pensionsantritt 2004 (ohne Harmonisierung): 2.023,91

Pensionsantritt 2004 (inklusive Harmonisierung): 2.136,25

Pensionsantritt 2014 1.818,03

Pensionsantritt 2024 1.768,89

Weitere Beispiele

Die Pensionsharmonisierung kann trotz des von zehn auf fünf Prozent gesenkten (und ab 2005 wieder leicht ansteigenden) Verlustdeckels in den kommenden Jahren zu höheren Maximalverlusten führen, als die Pensionsreform 2003. Ein Mann, der im Oktober 2005 beispielsweise 62 Jahre alt ist, hatte nach der Pensionsreform 2003 ein maximales Minus von zehn Prozent zu erwarten, nach der Harmonisierungsregelung hätte er aber mit einem Verlust von bis zu 17,15 Prozent rechnen.

Grund dafür ist die mit 2005 de facto wieder eingeführte Frühpension (Pensionskorridor von 62 bis 68 Jahren). Die dabei fällig werdenden Abschläge für jedes Jahr, das vor dem 65. Lebensjahr in Pension gegangen wird, werden nämlich zu dem nun eingeführten niedrigeren Verlustdeckel von fünf Prozent dazugerechnet. Konkret sind das 4,2 Prozent minus pro Jahr früher in Pension.

Ein 62-jähriger hat damit zu seiner bis zu fünfprozentigen Verlustdeckelung (in Wahrheit sind das im Oktober 2005 aber durch die langsame Steigerung schon minus 5,21 Prozent) noch Einbußen von bis zu 12,6 Prozent (drei mal 4,2) zu erwarten. Berechnet wird dies, indem man von der zu ermittelnden Pensionshöhe (100 minus 5,21 Prozent = 94,79 Prozent) nochmals 12,6 Prozent abzieht, was konkret ein weiteres Minus von 11,94 Prozent bedeutet. Damit kommt man insgesamt auf minus 17,15 Prozent.

1.000 Euro jährlich weniger

Das wiederum heißt, dass ein 62-jähriger Mann, der bisher angenommen 1.000 Euro monatlich zu erwarten hatte, nach der alten Verlustdeckelung auf mindestens 900 Euro gekommen wäre, nach der neuen Harmonisierung aber nur mehr mit mindestens 828,50 Euro rechnen kann. Übers Jahr gerechnet ist das ein weiterer Verlust von fast 1.000 Euro.

Nimmt man einen Mann, der im Oktober 2009 das 63. Lebensjahr erreicht hat und damit nach der Pensionsreform 2003 mit einer maximalen Verlustdeckelung von zehn Prozent in den Ruhestand treten kann, vergrößert sich mit der neuen Harmonisierung der Verlust auf 14,09 Prozent. Bei einem Mann, der im Oktober 2013 das 64. Lebensjahr erreicht, vergrößert sich die Einbuße von zehn Prozent Verlustdeckelung bisher auf künftig 11,49 Prozent.

Komplizierter Vergleich

Etwas kompliziert ist der Vergleich deshalb, weil nach der Pensionsreform 2003 ja die bisherige Möglichkeit der Frühpensionierung im Alter von 61,5 Jahren für Männer sukzessive bis 2017 ausläuft. Mit der Harmonisierung wurde nun praktisch wieder eine Art Frühpensionsregelung eingeführt, und zwar ab 62 Jahren. Damit gibt es aber auch zusätzliche Abschläge und damit einen größeren Verlust.

Haupt kontert

Das Sozialministerium hat am Mittwochnachmittag Gegenbeispiele vorgelegt. Während die Verluste in den AK-Beispielen vor allem durch die Ausnützung des Korridors und einen Pensionsantritt vor 65 zustande kommen, gehen die vom Sozialministerium gerechnete Beispiele davon aus, dass Männer mit 65 in Pension gehen und Frauen mit 60 bzw. 62 Jahren. Die Frauen haben durchwegs mehr als 40, die Männer mehr als 45 Versicherungsjahre aufzuweisen. Dementsprechend positiv fallen auch die Ergebnisse aus:

  • So wird etwa ein Tischler, alleinerziehender Arbeiter mit zwei Kindern, der mit 47 Versicherungsjahren im Alter von 65 Jahren 2005 in Pension geht, angeführt. Vor der Reform 2003 bekam er 1.400 Euro, nach der Reform 1.467 Euro (plus 4,8 Prozent) und nach den Harmonisierungsplänen 1.473 Euro (plus 5,2 Prozent).

  • Ein Metallverarbeiter, der 2015 mit 49 Versicherungsjahren mit 65 Jahren in Pension geht, hätte vor der Reform 2003 1.600 Euro bekommen, danach 1.565 Euro (minus 2,2 Prozent) und nun nach der Harmonisierung 1.615 Euro (plus 0,9 Prozent)

  • Ein Buchhalter, der im Jahr 2035 mit 48 Versicherungsjahren im Alter von 65 die Pension antritt, hätte vor der Reform 2003 mit 1.700 Euro rechnen können, nach der Reform mit 1.530 Euro (minus zehn Prozent) und nach der Harmonisierung mit 1,771 Euro (plus 4,2 Prozent).

  • Eine Versicherungskauffrau mit zwei Kindern, die 2005 mit 41 Versicherungsjahren, davon 21 Jahre Teilzeit, im Alter von 60 Jahren in Pension geht hätte vor der Reform 2003 mit 1.200 Euro rechnen können, danach mit 1.203 Euro (plus 0,3 Prozent) und jetzt mit 1.215 Euro (plus 1,3 Prozent).

  • Eine Bürokauffrau mit zwei Kindern, die 2015 im Alter von 60 Jahren mit 42 Versicherungsjahren, davon 22 Jahre Teilzeit, drei Jahre Unterbrechung, die Pension antritt, hätte vor der Reform 2003 mit 1.300 Euro rechnen können, danach mit 1.202 Euro (minus 7,5 Prozent). Nach der Harmonisierung hätte sie mit 1.291 Euro auch noch einen kleinen Verlust von 0,7 Prozent.

  • Eine Textilarbeiterin mit zwei Kindern, die im Jahr 2025 mit 44 Versicherungsjahren, vier Jahre Unterbrechung, im Alter von 62 die Pension antritt, hätte vor der Reform 2003 1.100 Euro bekommen, danach 990 Euro (minus zehn Prozent) und jetzt mit der Harmonisierung 1.115 Euro (plus 1,4 Prozent). (APA)
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