Fischler: Zuckerpreise um ein Drittel senken

14. Juli 2004, 16:18
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Landwirtschaftskommissar schlägt radikale Neuordnung vor

An den Feldrändern in Niederösterreich und im Burgenland stehen schon 140 Tafeln, rübenformig und menschengroß: "Hier wachsen Zuckerrüben - noch. Wir Rübenbauern sollen nun ebenso billig produzieren wie in Übersee oder das Feld räumen. "

Von diesem Vorabprotest in seiner Heimat lässt sich EU-Landwirtschaftskommissar Franz Fischler nicht irritieren. Er will heute, Mittwoch, eine radikale Reform der europäischen Zuckermarktordnung vorschlagen. Fischler hält diese Reform für unbedingt notwendig: "Die Zuckermarktordnung wurde seit 30 Jahren nicht geändert. Die Konsequenzen sind Mangel an Wettbewerb und um ein Drittel überhöhte Preise."

Preissenkung in zwei Schritten

Daher schlägt Fischler tief greifende Änderungen vor: Der Interventionspreis für Zucker (632 Euro pro Tonne) soll durch einen Referenzpreis ersetzt werden - und dieser soll um ein Drittel niedriger sein. Diese Senkung soll in zwei Schritten erfolgen: Im Herbst 2005 soll der Preis um 20 Prozent, im Jahr 2007 um weitere 13 Prozent gesenkt werden. Auch wenn die Rübenbauern protestieren - Fischler hält die Preissenkung für unumgänglich: "Der durchschnittliche Zuckerpreis beträgt in der EU das Dreifache des Weltmarktpreises."

Zudem sollen die Zuckermengen reduziert werden. Für Österreich bedeutet das: Anstelle von 17,4 Millionen Tonnen sollen künftig nur mehr 14,6 Millionen Tonnen von der EU subventioniert werden. Auch diese Quotenkürzung soll in mehreren Etappen erfolgen: 2005 wird um 1,3 Millionen Tonnen reduziert, dann drei Jahre lang um jeweils 0,5 Mio. Tonnen. Wie die Zuckerfabriken diese Quoten auf die Rübenbauern verteilen, ist deren Angelegenheit. Fischler jedenfalls ist sehr zuversichtlich, dass Österreichs Rübenbauern die Reform gut wegstecken: "Österreich hat gemeinsam mit Deutschland, Frankreich und Großbritannien die wettbewerbsfähigsten Zuckerproduzenten. Es gibt wenig Grund zu behaupten, dass Österreich unter die Räder kommt."

Mehr Sorgen macht sich Fischler um die Entwicklungsländer. Mauritius etwa lebt neben dem Tourismus fast ausschließlich vom Zuckerexport in die EU. Daher will die EU solche Staaten unterstützen, ihre Wirtschaftsproduktion stärker auf andere Sektoren zu verlagern. (Eva Linsinger aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.7.2004)

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