Gleichgeschlechtliche Ehe: Kerry/Edwards im Dilemma

22. Juli 2004, 11:12
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Für Abstimmung im US-Senat Zweidrittelmehrheit nötig

Nicht einmal die glühendsten VerfechterInnen eines Verfassungszusatzes, in dem festgelegt wird, dass der Begriff "Ehe" ausschließlich als Bund zwischen einem Mann und einer Frau zu verstehen ist, geben sich Illusionen hin, dass sie bei der Abstimmung im US-Senat am Mittwoch die erforderliche Zweidrittelmehrheit erhalten werden. Im Wahljahr 2004 dient die Debatte einerseits dazu, eine Reihe von DemokratInnenen zu zwingen, mit ihrer Stimme gegen den Zusatz öffentlich Farbe zu bekennen, andererseits, die Basis konservativer RepublikanerInnen zu motivieren.

Präsident George W. Bush hat sich bereits im Februar für das "Amendment" ausgesprochen. Sein Stellvertreter Dick Cheney, Vater einer bekennenden Lesbe, hatte vor den Wahlen im Jahr 2000 erklärt, diesbezügliche Entscheidungen sollten den einzelnen Staaten überlassen werden, erklärte jedoch dieses Jahr, Bush unterstützen zu wollen. Vergangenen Sonntag sprach sich Cheneys Frau Lynne jedoch in einem TV-Interview gegen das Amendment aus.

WechselwählerInnen

Das designierte demokratische Präsidentschaftsteam, die Senatoren John Kerry und John Edwards, die sich beide gegen Homosexuellenehen und für Zivilgemeinschaften ausgesprochen haben, unterbrachen ihre Wahlkampfreisen, um in Washington gegen das Amendment zu stimmen. Kerry und Edwards wollen vermeiden, wichtige WechselwählerInnen in der Mitte des politischen Spektrums vor den Kopf zu stoßen, könnten jedoch eine Reihe von Liberalen verärgern, die die verfassungsrechtliche Gleichstellung der Homosexuellenehe fordern.

Die Aussicht auf eine rasche Lösung dieses heiß debattierten Themas ist gering: Der vorliegende Verfassungszusatz müsste von je zwei Dritteln beider Häuser des Kongresses verabschiedet und danach in drei Vierteln der 50 US-Bundesstaaten ratifiziert werden. (DER STANDARD, Printausgabe 14.07.2004)

Von Susi Schneider aus New York
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