Streit um "Cap Anamur" auf Regierungsebene

14. Juli 2004, 15:01
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Freilassung von Komiteechef gefordert

Berlin/Rom/Genf - Die deutsche Bundesregierung hat die italienischen Behörden zur sofortigen Freilassung des Chefs der deutschen Hilfsorganisation "Komitee Cap Anamur", Elias Bierdel, aufgefordert. Bierdel war zusammen mit dem Kapitän und dem 1. Offizier des Schiffs "Cap Anamur" festgenommen worden, nachdem es mit 37 Flüchtlingen aus Afrika im sizilianischen Porto Empedocle angelegt hatte. Ihnen wird Beihilfe zur illegalen Einreise vorgeworfen.

"Es darf nicht zugelassen werden, dass Elias Bierdel dafür bestraft werden soll, weil er Menschen, die in große Not geraten sind, helfen wollte", erklärte Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul am Dienstag in Berlin. Humanitäre Aktionen dürften nicht kriminalisiert werden.

In Medienberichten wurde unterdessen Kritik laut, die Organisation "Cap Anamur" habe die wochenlange Odyssee des Schiffes als medienwirksame Werbeaktion genutzt. Die "Cap Anamur" hatte erst aufgrund internationalen Drucks nach wochenlangem Warten auf hoher See in den Hafen einlaufen dürfen. Sie hatte die Flüchtlinge angeblich auf hoher See aufgenommen.

Italiens Innenministerium hatte am Wochenende den Verdacht geäußert, dass irgendjemand aus der Flüchtlingsaktion Gewinn gezogen habe. "Es ist kein Geheimnis, dass das Völkerrecht, das demokratische System und sogar die elementaren Prinzipien der menschlichen Solidarität von grausamen Kriminellen ausgenutzt werden, um jedes Jahr Milliarden Euro durch die Ausbeutung illegaler Einwanderer und durch den Menschenhandel zu verdienen", erklärte das Ministerium.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR begrüßte die Entscheidung der Italiener, das Schiff mit den Flüchtlingen in einen Hafen einlaufen zu lassen. Die rechtlichen Fragen darüber, welcher Staat für die Flüchtlinge zuständig sei, seien "extrem kompliziert", sagte UNHCR-Sprecher Rupert Colville am Dienstag in Genf. (AFP, dpa, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 14.7.2004)

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