Uni Wien erwägt Gang in die Riemergasse

28. Juli 2004, 12:49
3 Postings

In das leer stehende frühere Handelsgericht in der Riemergasse könnten Insitute der Uni Wien einziehen - oder ein Hotel

Wien - Die Universität Wien verhandelt mit der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) darüber, rund zwölf ihrer auf 60 Standorte verteilten Institute in dem ehemaligen Gebäude des Wiener Handelsgerichts in der Wiener Riemergasse zusammenzufassen. Vorausgesetzt, der Universitätsrat stimmt den Wünschen der Uni zu; doch die Uni-Räte verhalten sich bezüglich Riemergasse "vorsichtig", heißt es diplomatisch. Sie wollen ein Gesamtkonzept für die Uni; der Raumbedarf wird als sekundär gewertet. BIG-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber betonte, nicht zu Dumpingpreisen zu vermieten, und verlangt eine marktkonforme Miete. Und die liegt dort zwischen elf und 18 Euro.

Entscheidung bis September

Bis spätestens September müssen die Uni-Räte eine Entscheidung treffen. Denn die Gespräche mit anderen Investoren sind nur unterbrochen; nicht zuletzt, weil die Universität ein Großkunde der BIG ist und diese laut Gesetz verpflichtet ist, primär die Raumbedürfnisse der Bundesdienststellen zu erfüllen. Der BIG gehören praktisch alle Universitätsgebäude, aus denen sie knapp 30 Prozent ihrer jährlichen Mieteinnahmen von 567 Mio. Euro erlöst.

Abgesehen von den notwendigen Adaptierungsmaßnahmen ist die Liegenschaft in der Riemergasse zwischen 20 und 30 Mio. Euro wert. Würde sie die BIG entwickeln und anschließend verkaufen, könnte sie zwischen 30 und 40 Mio. lukrieren. Die Arbeiten einer Alternative zur Uni-Nutzung sind praktisch fertig; laut Gutachten der TU Wien ist sowohl ein Hotel, ein Büro oder ein Wohnhaus wirtschaftlich möglich. Für ein Hotelprojekt gäbe es Betreiber.

Haus der Forschung

Fündig wurde die BIG für rund 200 Mitarbeiter, die im neuen Haus der Forschung zusammengefasst sind. Sie übersiedeln Ende 2005 in das neu gebaute Büro in der Sensengasse im neunten Bezirk und zahlen dafür elf Euro/m². Wenn Ende 2006 der Sitz des Finanzministers, das Winterpalais Prinz Eugens in der Himmelpfortgasse, renoviert wird, übersiedeln die Mitarbeiter interimistisch in das bis dahin renovierte frühere Gebäude der Statistik Austria (Hintere Zollamtsstraße).

90 Millionen Euro Dividende

Die BIG wird dem Finanzminister heuer knapp 90 Mio. Euro an Dividende überweisen. Durch den Verkauf von Wohnungen sollen heuer noch 40 Mio. Euro lukriert werden. Bei 3,7 Mrd. Schulden liegt die Eigenkapitalquote bei acht Prozent. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.7.2004)

Share if you care.