Filmstandort Babelsberg bleibt erhalten

20. Juli 2004, 12:38
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Neo-Eigentümer halten sich über Pläne für Traditionsstudio noch bedeckt

München/Potsdam - Nach dem überraschenden Verkauf der traditionsreichen Filmstudios Babelsberg zum symbolischen Preis von einem Euro haben sich die neuen Eigentümer zu dem Standort bekannt. "Wir wollen Babelsberg als Filmstandort erhalten", sagte der Geschäftsführer der Studio Atelierbetriebe Schwabing, Christoph Fisser, am Mittwoch. Eine Investorengruppe unter Führung Fissers sowie des Berliners Carl Woebcken hatte Studio Babelsberg vom französischen Medienkonzern Vivendi erworben.

Nächste Woche mehr

Über die weiteren Pläne sollen laut Fisser zunächst Betriebsrat und das Management informiert werden. Letzteres solle normal weiter arbeiten. "Wir müssen uns zunächst noch ein genaueres Bild der Lage machen", sagte Fisser. Der neue Eigentümer wird für nächste Woche in der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam erwartet. "Dann werden wir sicher mehr erfahren", sagte Studio-Sprecher Felix Neunzerling zu möglichen Absichten und Plänen der neuen Besitzer.

Das Potsdamer Wirtschaftsministerium geht unvoreingenommen in die geplanten Gespräche mit dem neuen Besitzer. Minister Ulrich Junghanns (CDU) sagte: "Wir gehen davon aus, dass jemand, der nach Babelsberg geht, sich der Tragweite bewusst ist." Nach Angaben des Verkäufers übernimmt Vivendi 18 Millionen Euro Altschulden der Studios. Der Käufer plane längerfristig und parallel zum gegenwärtigen Geschäft einen Ausbau der Fernsehaktivitäten.

Betriebsrat "heftigst gelinkt"

Betriebsratsversitzender Jan-Peter Schmarje fühlt sich "heftigst gelinkt". Die Vivendi-Führung habe noch vergangenen Woche zugesichert, dass die Belegschaftsvertretung in Verkaufsverhandlungen einbezogen werde. Jetzt sei alles zu hoffen und alles zu befürchten. Es sei auch nicht auszuschließen, dass die Käufer nur dem Verkäufer einen Gefallen tun wollten. Ein erstes Gebot der nunmehrigen Eigentümer habe immerhin ausschließlich der Immobilie gegolten. Der Betriebsrat will nach Schmarjes Worten in einem Offenen Brief an Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) um Unterstützung für den Erhalt der Studios bitten.

Die legendären Studios waren früher von der DDR-Filmgesellschaft Defa und zuvor von der Ufa betrieben worden. Dort entstanden Filmklassiker wie "Der blaue Engel" mit Marlene Dietrich und "Metropolis" von Fritz Lang. In den vergangenen Jahren wurden internationale Großproduktionen gedreht, darunter "Der Pianist" und der Stalingrad-Film "Duell - Enemy at the Gates". Demnächst beginnen die Arbeiten zu "Mission Impossible 3" mit Tom Cruise. (APA/dpa)

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