Kraut, Rüben - und Solomon Burke!

14. Juli 2004, 20:45
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Britischer Neo-Funkster Seal beschließt am Donnerstag den ersten Abend des heurigen Jazzfestivals in Wiesen

Sich über den mangelnden Jazz bei so genannten Jazzfesten und Festivals zu mokieren, ist zwar mühsam, die Frage, warum man dann den Titel nicht dem Programm adäquat ändert, müssen sich die Veranstalter schon gefallen lassen. Wobei sich ein "Kraut und Rüben" genanntes Festival wahrscheinlich weniger gut vermarkten lässt. Apropos: Das Jazzfestival Wiesen findet diese Woche statt.

Eröffnen wird es am Donnerstag Michael Franti mit seiner Band Spearhead. Der Mann aus San Francisco mit Weltverbesserer-Attitüde, und als solcher fest in George W. Bushs Wadel verbissen, präsentiert auf seinem letzten Album Everyone Deserves Music eine erlesene Mischung aus Funk, Rock und schuf damit eines der besten Alben des Vorjahres. Nach Franti wird's dramatisch.

Den Rockbarden Zucchero und die Söhne Mannheims gilt es zu überstehen, bis als Hauptact der britische Neo-Soul- und Funkster Seal, der in der letzten Dekade von seinem mainstreamtauglichen Entwurf Millionen verkauft hat, die Bühne betreten und das Wiesener Zelt in eine Disco verwandeln wird.

Am Freitag setzt man im Burgenland einmal mehr auf die Anziehungskraft von Moloko, die bereits im Vorjahr mit einem hochenergetischen Auftritt das Festivalgelände zur "Partyzone" verwandelten. Was der deutsche Meterwareproduzent Mousse T. in diesem Programm zu suchen hat? Man weiß es nicht.

Davor bestreiten den Freitagnachmittag die wunderbare Reformcountry-Combo Lambchop aus Nashville, die heimischen HipHopper Waxolutionists, HipHop-Produzent Rodney Hunter und der ewige Jungle-Verleger LTJ Bukem.

Der eigentliche Höhepunkt des heurigen Jazzfestivals findet aber am Samstag statt. Schluss-Act Van Morrison ist es zu verdanken, dass am frühen Abend der schwergewichtige "King of Rock and Soul" Solomon Burke mit seiner Band gebucht wurde.

Burke ist einer der letzten Großen der Oberliga des Sixties-Soul. Wir sprechen hier von Künstlern wie Otis Redding, Joe Tex und anderen Monolithen. Burke wird sein 2002 erschienenes Meisterwerk Don't Give Up On Me sowie etliche seiner zu Klassikern gewordene Songs aus seiner über vier Dekaden umspannenden Karriere präsentieren. Ebenfalls wunderbar: Die tatsächlich Richtung Jazz orientierte Sängerin Malia sowie Funkmann Keziah Jones.

Der Sonntag steht im Zeichen fragwürdiger Nostalgie: Nach John Mayal und Gary Moore werden die Reste von The Doors den Sturm reiten. (flu/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 7. 2004)

Jazzfestival Wiesen, 15.-18. 7., 7203 Wiesen.
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    Seal

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