Bischof Kapellari weist Krenn zurecht

20. Juli 2004, 12:59
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Kapellari will Krenn nicht kommentieren - Kritik an "Sonderweg in St. Pölten" - Feichtlbauer: Krenn soll sich freiwillig zurückziehen - Vorwurf der Vertuschung "absurd"

Graz - Der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari erklärte am Mittwochnachmittag zur Äußerung seines St. Pöltner Kollegen Kurt Krenn, die Vorgänge im St. Pöltener Priesterseminar würden die Bischofskonferenz "einen Dreck angehen", gegenüber der APA: "Ich halte es nicht für notwendig, diese Äußerungen zu kommentieren".

Seitens der Pressestelle der Diözese Graz-Seckau hieß es zu den Äußerungen Krenns bezüglich der Affäre in der niederösterreichischen Landeshauptstadt, man müsse nicht noch weiter Öl ins Feuer gießen.

"Die Vorfälle rufen nach Aufarbeitung"

Österreichs römisch-katholische Kirche drängt darauf, dass es in der Sex- und Pornoaffäre am Priesterseminar St. Pölten zu innerkirchlichen Konsequenzen kommt. "Die Vorfälle rufen nach Aufarbeitung", forderte der steirische Diözesanbischof und stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Egon Kapellari im Ö1-"Mittagsjournal" am Dienstag.

Die Ordnung sei "nach den Regeln der Weltkirche" wiederherzustellen, so der Bischof weiter. Ob er damit den Rückzug von Bischof Kurt Krenn fordere? "Ich habe nichts zu verlangen."

Den freiwilligen Rückzug Krenns forderte am Dienstag der Publizist und frühere Chef der Plattform "Wir sind Kirche", Hubert Feichtlbauer.

Für Kapellari ist entscheidend, dass am St. Pöltener Priesterseminar die Standards wieder zu erreichen seien, "die in Österreich üblich sind". In St. Pölten habe es einen "Sonderweg" gegeben - der habe sich nicht bewährt. Hier müsse es zu Änderungen kommen, sonst würde nicht nur die Kirche in Österreich, sondern auch die Weltkirche Schaden erleiden, erklärte der Bischof. Nun sind die Blicke nach Rom gerichtet.

Keine Vertuschung

Ausgelöst wurden die Turbulenzen in der Diözese St. Pölten im vergangenen Spätherbst durch die Ermittlungen der Exekutive in einem Kinderpornofall im Priesterseminar. Im Zuge der Anzeige kam es auch zu einem Telefonat zwischen Bischof Kurt Krenn und dem niederösterreichischen Sicherheitsdirektor Franz Prucher. Dass es dabei aber um eine Vertuschung der Affäre gegangen sei, bestreitet der Beamte vehement.

"Ich wurde am 28. November von Bischof Krenn von der Anzeige informiert. Dabei hat der Bischof nicht ausgeschlossen, dass es sich um Verleumdungen aufgrund interner Konflikte handeln könnte. Aus diesem Grund habe ich zunächst das Landesamt für Verfassungsschutz mit den Erhebungen beauftragt", erläutert Prucher. Nach dem Wochenende, am 1. Dezember, habe er dann einen Boten zur Staatsanwaltschaft geschickt, der die Anzeige überbrachte.

Vorwurf der Vertuschung "absurd"

Da durch einen Irrtum vonseiten der Diözese auch gleichzeitig das Nachrichtenmagazin profil informiert worden war, ist für Prucher der Vorwurf der Vertuschung absurd. "Ich habe ja gewusst, dass die Medien Kenntnis hatten, wie hätte ich es da vertuschen sollen?" fragt er. Überhaupt sei mit 1. Dezember ja die Staatsanwaltschaft zuständig gewesen, die alle weiteren Erhebungen veranlasst habe. In den nächsten Tagen sollen diese abgeschlossen sein, ist Prucher hörbar erleichtert.

Mit den in einer anonymen E-Mail an Medien verschickten Fotos, die Regens und Subregens bei homosexuellen Aktivitäten mit Priesteramtskandidaten zeigen, ist die Exekutive nicht befasst. Auch die Staatsanwaltschaft St. Pölten sieht keinen Handlungsbedarf, Indizien für einen Missbrauch des Autoritätsverhältnisses sieht die Behörde derzeit nicht. Sollte ein Beteiligter auf zivilrechtlichem Weg gegen den Absender der E-Mail, die mit "jene, die leiden unter dem Sittenskandal in St. Pölten" endet, vorgehen wollen, müsse er diesen selbst ausfindig machen. (pm, moe/DER STANDARD; Printausgabe, 14.7.2004)

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    Egon Kapellari und Kurt Krenn

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