Neue Runde im Ringen um Ruhrfestspiele Recklinghausen

20. Juli 2004, 18:49
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Aufsichtsrat gegen Doppelintendanz mit Triennale

Berlin/Recklinghausen - Im Ringen um die Zukunft der angeschlagenen Ruhrfestspiele Recklinghausen hat sich der Aufsichtsrat gegen eine gemeinsame Intendanz mit der Ruhrtriennale entschieden, teilte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der gemeinsam mit der Stadt Recklinghausen das traditionsreiche Kulturfest trägt, am Mittwoch mit.

Koproduktionen sollen aber möglich sein; auch eine Kooperation bei Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sei geplant. Wichtig sei jedoch eine zeitliche Entzerrung der beiden Festspiele. Das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) will die Ruhrfestspiele weiterhin fördern.

Castorf "wenigstens befristet"?

Die Meinungsverschiedenheiten um die Entlassung des künstlerischen Leiters Frank Castorf bestünden unabhängig davon weiter, hieß es. Während NRW-Kulturminister Michael Vesper (Grüne) nach wie vor für eine "wenigstens befristete Weiterbeschäftigung" Castorfs eintrete, hielten die Stadt und der DGB an ihrer vorzeitigen Kündigung fest. Grundsätzlich seien sich die Partner aber darüber einig, die Festspiele fortsetzen zu wollen.

Castorf, dessen Vertrag ursprünglich bis 2007 hätte laufen sollen, war vom Aufsichtsrat entlassen worden, weil sich nach seiner ersten Spielzeit die Zuschauerzahl des 1947 gegründeten Festivals halbiert hatte. Außerdem hatte die erste Castorf-Saison ein mindestens 700.000 Euro großes Loch in den Etat gerissen. Die Finanzlücke könne aber gedeckt werden, hatte der Recklinghäuser Bürgermeister Wolfgang Pantförder (CDU) am Montagabend versichert. Möglich sei dies mit Eigenkapital der beiden Gesellschafter Stadt und DGB sowie Gewinnen aus vergangenen Spielzeiten.

Verzicht von Flimm?

Die gerade erst eingeführte gemeinsame Intendanz von Ruhrfestspielen und Ruhrtriennale werde es künftig nicht mehr geben, erläuterte der DGB nach dem Krisengespräch, zu dem sich die Aufsichtsratsmitglieder bereits am Vortag getroffen hatten. Dem Vernehmen nach soll der designierte Intendant Jürgen Flimm auf diese Doppel-Tätigkeit mittlerweile verzichtet haben und nur noch als Intendant der Ruhrtriennale zur Verfügung stehen. (APA/dpa)

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