"Viel Spektakel" um Portugals Berlusconi

14. Juli 2004, 18:52
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Kopf des Tages: Pedro Santana Lopes, designierter Regierungschef von Portugal

Mit sieben Jahren verspürte er den dringenden Wunsch Priester zu werden. Dann ließ Pedro Santana Lopes den Herrgott doch einen guten Mann sein und entschied sich für das Naheliegendere: Er zelebrierte sich selbst, die Politik und die Damenwelt. Und zwar so sehr, dass Vita und Ruf des designierten portugiesischen Regierungschefs mit "zweifelhaft" nur unzulänglich beschrieben sind.

Kritiker nennen Santana Lopes den "Berlusconi Portugals". Und in der Tat hat der 48-Jährige einiges gemein mit dem römischen Medienmachthaber: Beide sind Arrivisten, die sich ungestüm, unverfroren und unberechenbar ihren Weg nach oben gebahnt haben. Beide zeigen sich gern mit schönen Frauen, singen oder zertrümmern Gitarren (wie Santana Lopes bei der Eröffnung eines Hardrock Cafés), waren Präsidenten großer Fußballklubs. Auch wenn Santana Lopes nicht über ein Medienimperium verfügen kann, versteht er es so blendend wie Berlusconi, sich in Szene zu setzen. Politische Substanz indes lässt sich bei beiden nur schwer finden.

Nach der Nelkenrevolution 1974 machte Santana Lopes schnell Karriere: Mit 24 zog er ins portugiesische Parlament ein, mit 26 übernahm er die Parteiführung der Lissaboner liberal-konservativen Sozialdemokraten (PSD), mit 31 war er EU-Abgeordneter, mit knapp 40 Staatssekretär im Kulturministerium. Im Gegensatz zu seinem stillen Studienfreund José Manuel Durao Barroso (ebenfalls Jahrgang 1956 und Jurist) ließ er es beim Marsch durch die Institutionen aber krachen: Im Lissaboner Jetset ist der fünffache Vater eine anerkannte Größe, stets mit einem Glas Champagner in einer Hand und – nach seiner dritten Scheidung – ständig wechselnden Blondinen in der anderen.

Als ihn ein TV-Sender 1998 wegen seines lebhaften Lebenswandels als saufenden Schürzenjäger karikierte, wollte er gekränkt der Politik den Rücken kehren, blieb selbstredend und wurde Bürgermeister Lissabons. Dort hinterlässt er, den Freunde wegen seines Tatendranges und rhetorischen Geschickes loben, nun Ernüchterung, Bauruinen und leere Kassen.

Das soll sich im ganzen, ohnehin schon finanzmaroden Land nicht wiederholen, hat Staatspräsident Jorge Sampaio dem PSD-Chef aufgetragen und ihm gleich auch mit Neuwahlen gedroht. Der europakritische Santana Lopes versprach artig eine Fortführung des bisherigen Spar- und EU- freundlichen Kurses. In seiner neuen Regierungsmannschaft soll aber seine Kritikerin und "eiserne Sparlady", Manuela Ferreira Leite, einem flexilberen Finanzminister weichen.

Nicht nur in Portugal wird man sich unter diesen Vorzeichen wohl auf das einstellen müssen, was ein Parteifreund über Santana Lopes sagt: "Wenig Arbeit, viel Spektakel und viel Verschwendung." (DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 14.7.2004)

von Christoph Prantner

Nachlese

Lopes offiziell zum Regierungschef ernannt

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