Rätsel um Himmelsscheibe von Nebra

19. Juli 2004, 18:52
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In den nächsten sechs Jahren wird die Bedeutung des spektakulären Funds bei Halle für die Bronzezeit Europas ermittelt

Halle - Mit einem millionenschweren Forschungsprojekt sollen die letzten Rätsel der 3.600 Jahre alte "Himmelsscheibe von Nebra" bis 2010 gelöst werden. Das Mammutprojekt mit dem Titel "Der Aufbruch zu neuen Horizonten. Die Funde von Nebra, Sachsen-Anhalt, und ihre Bedeutung für die Bronzezeit Europas" wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG/Bonn) mit 3,3 Millionen Euro finanziert, sagte Koordinator Francois Bertemes am Dienstag. "Es ist das größte Forschungsnetzwerk Europas zur Frühbronzezeit."

Kultplatz

Ab September werden in den nächsten sechs Jahren 24 frühbronzezeitliche Bauten untersucht. Dazu gehören zwölf so genannte Kreisgrabenanlagen. Laut Bertemes gehen die Forscher bisher davon aus, dass die frühbronzezeitlichen Kreisanlagen als Kultplatz, wahrscheinlich für einen Totenkult verbunden mit Schamanismus, dienten. In ihrer Nähe fanden sich meist auch Gräberfelder. Zudem werden zwölf Höhensiedlungen untersucht, zentrale befestigte Orte, die vor 4.000 bis 3.500 Jahren auf Anhöhen errichtet wurden. "Dazu gehört auch der Fundort der Himmelsscheibe auf dem 252 Meter hohen Mittelberg bei Nebra (Burgenlandkreis)", sagte Bertemes.

Älteste Sternenabbildung der Welt

Die Bronzescheibe wurde dort am 4. Juli 1999 zusammen mit einem Bronzeschatz von zwei Raubgräbern ausgegraben. Die Scheibe ist die älteste genauere Sternenabbildung der Welt. Nach jahrelanger Odyssee wurden die Teile am 23. Februar 2002 in der Schweiz bei einer fingierten Verkaufsaktion sichergestellt.

Die Ausgrabungen werden wissenschaftlich begleitet durch vergleichende Materialanalysen an anderen Funden aus der Bronzezeit. Zudem sollen auch frühbronzezeitliche Erzlagerstätten unter anderem im Harz untersucht werden. Neben der Universität Halle und dem Landesamt für Archäologie in Halle sind auch Forscher der Universität Jena sowie der Technischen Universität Freiberg (Sachsen) beteiligt. (Apa)

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