Ein Hohelied der allgemeinen Harmonie

13. Juli 2004, 17:09
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Heinz Fischer wählte Ungarn als Ziel für seine erste Auslandsreise als Bundespräsident, was im Nachbarland dankbar aufgenommen wurde

"Es ist ein Vergnügen, politische Gespräche zu führen, wenn es ein so hohes Maß an Übereinstimmung gibt", erklärte ein sichtlich frohgemuter Bundespräsident Heinz Fischer nach Gesprächen mit Ungarns Staatspräsidenten Ferenc Mádl und Ministerpräsident Péter Medgyessy am Dienstag in Budapest.

Auch die Ungarn zeigten sich sehr erfreut über den Besuch aus Österreich. Es sei eine "ganz besondere Ehre" und zeuge von den "ganz besonders guten Beziehungen" zwischen beiden Staaten, dass Fischers erste Auslandsreise als Staatsoberhaupt ihn in die ungarische Hauptstadt geführt habe, betonten Mádl und Medgyessy nach den Gesprächen unisono: Das sei "sehr symbolisch" und stehe in "Jahrhunderte alter Tradition". Die österreichisch-ungarische Harmonie schien allumfassend.

Fischer, der von seiner Frau Margit und Außenministerin Benita Ferrero-Waldner begleitet wurde, wollte mit der Wahl seines Reiseziels unterstreichen, dass ihm gute Beziehungen zu den neuen EU- Staaten ein Anliegen sind.

Sowohl Fischer als auch seine Gastgeber betonten ihre Übereinstimmung in Fragen der künftigen EU-Verfassung, lobten die florierende wirtschaftliche Zusammenarbeit und wollen sich gemeinsam für die rasche Aufnahme von Kroatien, Rumänien und Bulgarien in die EU einsetzen. Auch mit der Ukraine sollten Verhandlungen aufgenommen werden. Besonders gewürdigt wurden außerdem die Verdienste des verstorbenen Thomas Klestil um die zentraleuropäische Integration.

Überraschung

Medgyessy hatte für den Bundespräsidenten dann noch eine besondere Überraschung bereit: Er präsentierte Fischer die ungarische Ausgabe von dessen programmatischem Buch "Wendezeiten", "Fordulópontok" auf Ungarisch, was den Autor sichtlich erfreute. Immerhin sei es die erste fremdsprachige Ausgabe eines seiner Bücher, so Fischer, der sein Werk stolz signierte.

Das Protokoll

Eigentlich wird den Österreichern nachgesagt, dass sie mit Hingabe protokollarisch prächtige Empfänge zelebrieren, doch von den Ungarn können heimische Protokollbeamte noch einiges lernen. Mit Blaulicht und in einem bemerkenswerten Tempo, das sicherlich nicht der ungarischen Straßenverkehrsordnung entsprach, wurde er Konvoi des Präsidenten von Nickelsdorf in die ungarische Hauptstadt eskortiert.

Dort waren die Straßen für Fischer gesperrt, was allerdings die Laune der Budapester Autofahrer nicht nachhaltig zu heben schien. Brücken und die Stadtautobahn waren in österreichischen und ungarischen Farben beflaggt.

Vor dem frisch renovierten Sándor-Palast auf der Budapester Burg, dem Sitz des ungarischen Staatspräsidenten, hatte eine Ehrenkompanie mit aufgepflanztem Bajonett Aufstellung genommen. Komplettiert wurde das pittoreske Bild von berittenen Husaren in historischen Unformen. Nach dem Abschreiten der Ehrenformation auf dem roten Teppich und dem Abspielen der Hymnen standen dann die eigentlichen Arbeitsgespräche auf dem Programm.

An diesen Gesprächen nahm auch Ferrero-Waldner teil, die zuvor versichert hatte, dass sie die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Konkurrenten "professionell" gestalten wolle. Ferrero-Waldner hielt sich dann aber bei den Pressekonferenzen sichtlich zurück. Auch ihr weithin bekanntes Lächeln fiel eher reduziert aus.

Am Abend sprach Fischer in der deutschsprachigen Andrássy-Universität über "Das politische System Österreichs", bevor er, natürlich mit Blaulicht und im Höllentempo, wieder nach Hegyeshalom eskortiert wurde. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.7.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Fischer gemeinsam mit Ferrero-Waldner in Ungarn

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