Lebenslänglich für Morde an Autostopperinnen

14. Juli 2004, 20:17
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Junge Tschechin und junge Osttirolerin waren von 44-jährigem Fernfahrer vergewaltigt und erwürgtworden

Traunstein - Die Sexualmorde an zwei Autostopperinnen muss ein Fernfahrer mit lebenslanger Haft büßen. Das Schwurgericht in Traunstein sah es am Dienstag als erwiesen an, dass der 44-Jährige die beiden jungen Frauen aus Tschechien und Tirol 1999 und 2000 in seinem Lastwagen in Südtirol erst vergewaltigte und dann erwürgte. Die Richter erkannten bei dem zweifachen Mord auf eine besondere Schwere der Schuld. Mit ihrem Urteil folgten sie der Forderung des Staatsanwalts.

Der Verteidiger des verheirateten Mannes war dagegen von Totschlag im ersten Fall und nur von Körperverletzung mit Todesfolge beim zweiten Verbrechen ausgegangen. Er hatte das Strafmaß ins Ermessen der Richter gestellt.

Besondere Schwere der Schuld

Die besondere Schwere der Schuld bedeutet, dass der Verurteilte auch bei guter Führung nicht schon nach 15 Jahren entlassen werden kann. Bei den beiden Morden des Fernfahrers sei von direktem Tatvorsatz auszugehen, hatte der Anklagevertreter sein Strafmaß begründet. Der Mann habe damit den sexuellen Missbrauch seiner Opfer vertuschen wollen - und dies nicht zuletzt, um seine Ehe zu retten, "die ihm sehr viel bedeutet", sagte der Staatsanwalt.

Geständnis widerrufen

Der wegen mehrerer Sexualdelikte vorbestrafte Angeklagte hatte sein Geständnis bei den polizeilichen Vernehmungen zu Prozessbeginn am 1. Juli vollinhaltlich widerrufen. Die Tschechin habe seinen Lastwagen lebend verlassen, das zweite Opfer sei plötzlich leblos auf dem Beifahrersitz zusammengesackt, hatte er stattdessen vor Gericht ausgesagt. Er habe keine der Frauen erwürgt, wie ihm zur Last gelegt worden sei. Das Geständnis kurz nach seiner Festnahme vor einem Jahr in Oberbayern habe er aus Angst vor Verfolgung seiner Familie abgelegt.

Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass der 44-Jährige auch noch einen dritten Sexualmord an einer Anhalterin begangen hat. In diesem Fall - das Opfer ist eine albanische Prostituierte - wurde allerdings noch nicht Anklage erhoben. (APA/dpa)

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