Produktionsstandort Deutschland steht "prinzipiell" nicht zur Diskussion

20. Juli 2004, 13:49
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Verband der Automobilindustrie fordert aber "verbesserte Rahmenbedingungen" - Schröder für Lösungen "auf betrieblicher Ebene"

Stuttgart - Die deutsche Automobilindustrie will trotz der massiven Kostensenkungs- und Verlagerungspläne einzelner Hersteller prinzipiell am Produktionsstandort Deutschland festhalten. "Wir widersprechen der abwegigen Vorstellung, man könnte etwa die Fertigung in Niedriglohnländer verlagern und sich in Deutschland auf die Beschäftigung von Ingenieuren in Forschung und Entwicklung konzentrieren", sagte Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), am Dienstag in Stuttgart auf dem Forschungstag des Verbandes.

Streichungen sollten "kein Tabu sein"

Mit Blick auf den Arbeitszeitkonflikt bei DaimlerChrysler und laufende Verhandlungen bei Zulieferern forderte Gottschalk aber eine Verbesserung der Rahmenbedingungen. "Es geht nicht um chinesische oder rumänische Löhne in Deutschland, auch nicht um die flächendeckende Einführung der 40- oder gar 50-Stunden-Woche", meinte der Verbandschef. Kein Tabu sollte aber die Streichung von Erholzeitpausen, Schichtzuschlägen oder einzelner Urlaubs- oder Feiertage sein.

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach sich in Stuttgart für Lösungen auf betrieblicher Ebene aus. Zugleich rief er Arbeitgeber und Gewerkschaften auf, den Arbeitszeit-Konflikt nicht zu ideologisieren. "Ich warne vor jeder Einseitigkeit, das bringt die Leute auf die Bäume." Jede Branche benötige unterschiedlich flexible Arbeitszeiten. Die reine Wochenarbeitszeit-Debatte sei schädlich. Stattdessen könne beispielsweise über ganzjährige Arbeitszeitkonten geredet werden.

"Axt an die Wurzeln der deutsch-französischen Freundschaft"

Scharf kritisierte Schröder den Plan der französischen Regierung, ab dem nächsten Jahr die Anschaffung großer Geländewagen wie den BMW X5, den VW Touareg oder den Porsche Cayenne mit einer Ökoabgabe bis zu 3.200 Euro zu bestrafen. Mit einer einseitigen, national ausgerichteten Industriepolitik werde die Axt an die Wurzeln der deutsch-französischen und der europäischen Freundschaft gelegt, sagte der Kanzler.

Beim strittigen Thema Diesel-Rußpartikelfilter forderte Schröder einen europaweiten Standard. "Die Festlegung eines vernünftigen Grenzwertes ist Sache der EU-Kommission." Eine stufenweise Einführung der von 2005 an geltenden Euro 5-Abgasnorm bis zum Jahr 2010 sei sinnvoll. In dieser Übergangszeit könnten die Autobauer ihre Anstrengungen bei den Partikelfiltern intensivieren, die deutsche Regierung werde im Gegenzug die staatliche Förderung bei den Abgasnormen aufrechterhalten. (APA/dpa)

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