"Durch das Paradies"

10. Juli 2004, 22:41
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Am Kamp entlang: Eine der schönsten Touren durch das Waldviertel

Nahe der Bruckmühle an der Straße von Rappottenstein nach Kirchbach steht ein verwitterter Wegweiser mit kaum leserlicher Schrift: "Durch das Paradies zur Heumühle." Er zeigt den Beginn einer der schönsten Routen des Waldviertels an; man wandert auf einem Karrenweg, mitunter auf schmalem Pfad direkt neben dem Großen Kamp in einem engen Tal, dessen Hänge mit urigen Steingruppen durchsetzt sind. Das Rauschen des Baches zwischen den Granitblöcken bildet die akustische Kulisse einer einmaligen Landschaft.

Wenn man die Wanderung bis zum Steinernen Bogen und zur Gletschermühle ausdehnt, ergibt das eine überaus abwechslungsreiche Tour. Zwar entstand die "Gletschermühle" nicht durch einen Eispanzer (den es im Waldviertel niemals gab), sondern durch die Kräfte von Wind und Wasser, aber die durchlöcherte Steingruppe ist deshalb nicht weniger beeindruckend.

Eine echte Runde durch das Paradies und zur Gletschermühle bringt man nur zustande, wenn man längere Abschnitte auf Asphalt in Kauf nimmt. Unter Einbeziehung eines kurzen unmarkierten Abschnittes und Rückkehr auf dem schönsten Wegteil ergibt das eine Quasi-Rundwanderung, die nur den Nachteil hat, dass es auf der ganzen Strecke kein Gasthaus gibt, man daher Getränke und Proviant mitschleppen muss. An heißen Tagen bietet sich der Große Kamp für ein kühles Bad an.

Die Route: Vom Zentrum Rappottensteins steigt man auf der roten Markierung mit der Nummer 612 zum Großen Kamp ab, quert diesen und wandert auf dem linken Ufer zur Bruckmühle. Nach einem kurzen Straßenstück geht es den Fluss entlang weiter durch das Paradies zur Heumühle. Gehzeit 1½ Stunden. Nun verlässt man den Kamp und folgt weiter dem Weg 612, passiert ein mit Seepferdchen verziertes Haus und gelangt zu einer Abzweigung. Den Schildern des "Mystischen Waldviertels" folgend kommt man zum Steinernen Torbogen. Ab Heumühle eine Stunde. Zurück zur Abzweigung und weiter auf der roten Route 612 zur Gletschermühle. Ab Torbogen eine Viertelstunde.

Der Weg macht nun einen großen Bogen nach rechts, wo danach die Markierung scharf links abbiegt, hält man sich geradeaus und erreicht über ein Gehöft den Rand von Lembach. Nach rechts geht es zur "Anstiegsroute", auf der man über die Heumühle bis zur ersten Straßenkreuzung wandert. Gehzeit ab Gletschermühle 1¾ Stunden. Eine weitere Dreiviertelstunde braucht man auf der roten Markierung bis Grünbach und auf der Straße nach Rappottenstein. (Der Standard, Printausgabe 10./11.7.2004) Gesamtgehzeit 5¼ Stunden, Höhendifferenz rund 300 m. Kein Stützpunkt auf der Runde. Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 18 (Weitra)

Von Bernd Orfer
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