Mariazell: Körpergräberfeld aus La-Tene-Zeit entdeckt

19. Juli 2004, 18:52
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Ein für die Steiermark einzigartiger Fund hat Skelette mit 2.300 Jahre alten Beigaben zutage gefördert

Graz - Ein für die Steiermark bisher einzigartiger Fund aus der spätkeltischen La Tene-Zeit ist im obersteirischen Pilgerort Mariazell zu Tage getreten. Im Zuge von Kabelverlegungsarbeiten sind die Bauarbeiter Mitte vergangener Woche auf mehrere Skelette gestoßen, die sich nun aufgrund der Beifunde als die Überreste von 2.200 bis 2.300 alten Körpergrabanlage entpuppten. "Es handelt sich hier um das erste Körpergräberfeld aus der La Tene-Zeit", so Grabungsleiterin Margret Kramer vom Landesmuseum Joanneum.

Zurzeit wird am Ortsrand von Mariazell in einem rund zehn Quadratmeter großen Bereich gegraben. "Die bisherigen Knochen gehören zu drei bis vier Skeletten, weitere sind noch nicht geborgen", so die Prähistorikerin. In den kommenden Tagen soll geklärt werden, welches Ausmaß die Begräbnisstätte tatsächlich hatte. Die neben den Knochen liegenden Objekte - vor allem metallene Grabbeigaben - sprächen für eine Datierung aus dem zweiten bis dritten vorchristlichen Jahrhundert, so Kramer. Ein Körpergrab aus dieser Zeit ist für die Steiermark einzigartig.

Seltene Funde

Funde aus der LaTene-Zeit seien in der Steiermark grundsätzlich sehr selten, so der für die Bodendenkmalpflege im Bundesdenkmalamt Steiermark zuständige Archäologe Bernhard Hebert. Spätkeltische Relikte kenne man in diesem Bundesland hauptsächlich aus dem südsteirischen (Bezirk Leibnitz) und Grazer Raum, so der Archäologe. Die Notgrabung werde noch bis mindestens Ende dieser Woche, eventuell auch noch die nächste Woche durchgeführt.

Als La Tene-Kultur bezeichnet man die Kultur der mittleren und jüngeren Eisenzeit in Mitteleuropa (bis zum Nordrand der Mittelgebirge, ca. 480 bis - je nach Region 40./20./0 v. Chr.). Sie entwickelte sich aus der nordwestalpinen Hallstattkultur unter Einfluss aus dem mediterranen Raum als eigenständige Kunst- und Kulturform, die mit den historisch belegten Kelten identifiziert wird.

Im Westen und Süden des Verbreitungsgebiets herrscht Leichenbestattung vor, im Norden und Osten Leichenverbrennung. Die Urnen zeigen meist sehr einfache Formen und eine rohe Technik, vereinzelt kann man jedoch die Anwendung der Töpferscheibe nachweisen. Kulturelle Elemente der La Tene-Zeit werden in Frankreich, der Schweiz, Österreich und im mittleren und westlichen Deutschland gefunden. Abwandlungen kommen gelegentlich auch in Nord- und Ostdeutschland vor. (Apa)

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