Deutlicher Mangel an Facharbeitern

28. Juli 2004, 13:03
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Umfrage: Suche nach geeignetem Personal wird immer schwieriger - Wirtschaftsbund fordert flexiblere Arbeitszeiten und sechs Monate Probezeit für Lehrlinge

Wien - Trotz hoher Arbeitslosigkeit besteht ein deutlicher Mangel an qualifizierten Facharbeitern. Dies geht aus der halbjährlich durchgeführten Umfrage des Fessel-GfK-Instituts zum Arbeitskräftebedarf der heimischen Wirtschaft hervor, die am Dienstag von Wirtschaftsbund-Generalsekretär Karlheinz Kopf und Studienleiter Peter Ulram präsentiert wurde. 44 Prozent der befragten Unternehmen haben derzeit Bedarf an Mitarbeitern. 85 Prozent der Befragten bezeichnen die Suche als sehr schwierig.

Flexibilisierung gewünscht

Als Gegenmittel wünscht sich Kopf keine Verlängerung der bestehenden Arbeitszeiten, sondern eine stärkere Flexibilisierung. Das Arbeitszeitgesetz müsste den einzelnen Unternehmen künftig mehr Möglichkeiten einräumen als derzeit der Fall sei. Wünschenswert sei ein Durchrechnungszeitraum von einem Jahr, und die Mehrstunden müssten ohne Zuschläge konsumiert werden. Die Begrenzung der täglichen Höchstarbeitszeit von zehn Stunden mit den gesetzlichen Mindestruhezeiten stelle eine doppelte Arbeitszeitbegrenzung dar, so Kopf.

Im Vergleich dazu gebe die europäische Arbeitszeitrichtlinie gar keine Begrenzung der täglichen Arbeitszeit vor, sondern regle sie nur indirekt über die Vorgabe einer Mindestruhezeit von 11 Stunden. Grundsätzlich sollte die Regelung der Arbeitszeit auf die betriebliche Ebene verlagert werden. Eine Vereinfachung der Arbeitzeitbestimmungen und flexiblere Arbeitszeiten würden auch nach Ansicht von 63 Prozent der befragten Unternehmen Arbeitgebern und Arbeitnehmern einen Nutzen bringen. Hinsichtlich der in Österreich bestehenden Arbeitszeitbestimmungen sehen 30 Prozent der Betriebe einen dringenden Handlungsbedarf.

Suche nach geeignetem Personal immer schwieriger

Im Detail hat der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften in den vergangenen Jahren zugenommen. Während im Frühjahr 2003 noch 36 Prozent auf Personalsuche waren, nahm der Anteil im darauffolgenden Herbst auf 38 Prozent zu und liegt derzeit bei 44 Prozent. Die Suche nach geeignetem Personal wird auch immer schwieriger. Nach 80 Prozent im vergangenen Frühjahr und 81 Prozent im Winter 2003 beschreiben jetzt 85 Prozent der Befragten die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern als schwierig.

Besteht Personalbedarf, so betrifft das zu 69 Prozent Facharbeiter gegenüber 58 Prozent vor einem halben Jahr. 31 Prozent der Betriebe suchen entsprechendes Personal. Zu 29 Prozent betrifft der bestehende Arbeitskräftebedarf Büropersonal, das von 13 Prozent der Unternehmen gesucht wird. Zu 27 Prozent betrifft der Personalbedarf Lehrlinge, zu 22 Prozent Hilfsarbeiter, zu 17 Prozent leitende Mitarbeiter und nur zu sechs Prozent EDV-Spezialisten.

Qualität der Lehrlingsausbildung sinkt

Untersucht wurde in der Fessel-Gfk-Studie auch die Qualität der Lehrlinge. 17 Prozent der Befragten Unternehmen sehen eine sehr starke Verschlechterung. 25 Prozent gaben an, dass die Qualität "eher gesunken" sei und nur 19 Prozent sagten, die Qualität habe sich nicht verändert, 7 Prozent sehen eine Verbesserung. Um die Situation am Lehrlingsmarkt zu verbessern, fordert Kopf wiederholt die "Abschaffung der Lehrlingspragmatisierung". Die Probezeit sollte nach Wunsch des Wirtschaftsbundes von derzeit drei auf sechs Monate verlängert werden. Dies erleichtere den Unternehmen die Möglichkeit, einen Vertrag aufzulösen.

In der im Auftrag des Wirtschaftsbundes halbjährlich vom Fessel-Institut durchgeführten Studie wurden 500 österreichische Unternehmen befragt. (APA)

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    44 Prozent der befragten Unternehmen haben derzeit Bedarf an Mitarbeitern, 85 Prozent bezeichnen die Suche als sehr schwierig.

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