Zwei Buchstaben bringen Geld und Fragen

20. Juli 2004, 10:52
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Pazifikinsel Tuvalu profitiert von der Internet-Endung .tv - Aber Zweifel an den Abrechnungen

Mit den beiden Buchstaben tv kehrte auf der

Pazifikinsel Tuvalu der Wohlstand ein. Seit Beginn der weltweiten

Vermarktung für Internet-Adressen von Tuvalu ist die einzige Straße

der Insel geteert, die Dorfwege sind auch abends beleuchtet und die

Miete für das Büro und der Sitz bei den Vereinten Nationen sind auch

bezahlt.

.tv ganz oben

Fernsehsender und Filmproduktionsfirmen kaufen Adressen mit der

Endung .tv für ihre Internet-Auftritte, erklärt Bart MacKay von der

Firma VeriSign, die .tv an Wiederverkäufer vermarktet. "Wenn wir

unsere Kunden fragen, welche Domain-Endung sie am liebsten verkaufen,

dann ist .tv ganz oben."

Aber allzu viel bleibt von dem Geldsegen bei der Insel nicht

hängen, klagen Politiker wie Apisai Ielemia. "Wir werden von diesen

geschäftsorientierten Firmen ausgenommen." Die Tuvaluer selbst haben

für das Big Business nicht viel übrig. Eher ruhig leben sie auf ihrem

sonnigen Atoll zwischen Australien und Hawaii. Hauptexporte waren bis

vor kurzem Kokosnussöl und Briefmarken. Kooperativen oder die

Regierung regeln fast alles, vom Markt bis zur Radiostation - einen

Fernsehsender gibt es im Land von .tv bisher nicht.

Zu leichtgläubig

Auch waren die Tuvaluer in der Vergangenheit zu leichtgläubig.

1979, ein Jahr nach der Unabhängigkeit von Großbritannien,

erschwindelte sich ein amerikanischer Immobilienbetrüger die Hälfte

der eine Million Dollar, die die Insel als Reserve hatte. Als ihnen

1998 ein kanadischer Unternehmer etwas von Reichtümern erzählte, die

es im Internet zu verdienen gebe, zogen sie Anwälte zu Rat. Einen

echten Vermarktungsplan hatte die kanadische Firma aber auch nicht,

weshalb das Geschäft scheiterte. 2000 gab es dann ein Abkommen mit

einer Firma in Kalifornien. Diese verkaufte die Rechte zwei Jahre an

VeriSign, wo auch die gewichtigen Top-Level-Domains .com und .net

verwaltet werden. In der Zwischenzeit wanderten 20 Millionen Dollar

(16,1 Mill. Euro) auf das Konto der Regierung von Tuvalu. Damit

bezahlte die Insel unter anderem die geteerte Straße, die Beleuchtung

und auch die 50.000 Dollar (40.332 Euro) für den Beitritt zu den

Vereinten Nationen.

Inzwischen kommt zwar auch vierteljährlich Geld von VeriSign,

etliche Inselbewohner fragen sich aber, ob sie wirklich bekommen, was

ihnen zusteht. Denn zumeist ist es nur das zugesagte Minimum, was sie

erhalten. Von VeriSign fordern sie vor allem mehr Offenheit in den

finanziellen Dingen. Man wolle wissen, zu welchen Bedingungen die

Firma .tv vermarkte, fordert Aunese Makoi Simati, der für

Domain-Fragen zuständig ist.

Einzelabrechnugen praktisch nicht möglich

Dazu sieht sich aber VeriSign nicht in der Lage.

Einzelabrechnungen für jede Domain seien praktisch nicht möglich, da

über die gleichen Rechner auch Internet-Adressen mit anderen Endungen

vermittelt würden, sagt MacKay. "Die Mindestzahlungen werden wohl

noch eine Zeit so weitergehen." Die Regierung von Tuvalu hat zwar

schon rechtliche Schritte erwogen, geschehen ist bisher aber nichts.

Stattdessen schaut man sich auf der Insel nach anderen möglichen

Einnahmequellen um - und blickt Richtung Himmel. Die Regierung erwägt

bei der Internationalen Fernmeldeuniuon (ITU) nationalen Raum im

Orbit zu beantragen. Man hofft auf Geld aus Geschäften mit

Satellitenbetreibern und verhandelt dazu schon mit einem möglichen

Partner, einer US-Firma.(APA/red)

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