Manager der Kreativen-Schmiede

18. Februar 2005, 14:33
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Immer über die Grenzen hinausgehen ist das Motto des neuen Generaldirektors von Xerox Austria, Valeriu Nistor.

Der 36-jährige Rumäne will den Österreich-Standort des US-Digitaldruck-Unternehmens zu einer "Fun-Company" mit Platz für kreative Köpfe machen.

"Meine größte Herausforderung sehe ich darin, in den nächsten sechs Monaten fließend Deutsch zu lernen". Valeriu Nistor, 36 Jahre alt und neuer Chef von Xerox Austria, lächelt die Journalistin an. Er ist ehrgeizig, er ist talentiert, und er hat Mut. Das beweist sein Lebenslauf.

Der gebürtige Rumäne, Sohn einer Mathematikerin und eines Managers im Lebensmittelhandel, studierte nach der Matura am Polytechnischen Institut in Bukarest Elektrotechnik. Danach ging er für ein Jahr ans Conservatoire National des Arts et Métiers nach Paris, von wo er mit einem Diplom zurückkam.

Dazwischen bereitete sich Nistor auf seinen künftigen Beruf vor. "Ich jobbte Tag und Nacht, war Taxifahrer, Croupier im Casino und Goldschmuckverkäufer." Letzteres stellte sich als gutes Training für den späteren Manager heraus: Er lernte zu vermarkten.

Seine Berufslaufbahn begann Nistor zunächst als Vertreter bei einem rumänischen Rumproduzenten. Nach drei Jahren wechselte er als Vertriebsingenieur zu Asea Brown Boveri (ABB). "Mein eigentliches Ziel war es aber immer, Führungskraft zu werden. Also bat ich eines Tages um ein Gespräch beim Personalchef. Meine Kollegen belächelten mich: Sie rieten mir von dem Gespräch ab."

Doch zum großen Erstaunen seiner Kollegen rief der Personalchef Valeriu Nistor nach ein paar Monaten erneut zu sich, um ihm dann doch einen Platz als Abteilungsleiter für eine 15-Personen-Abteilung anzubieten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Nistor bereits seinen nächsten Vertrag in der Tasche: als Verkaufsleiter in der Bukarester Niederlassung der MAN-Gruppe.

Ein Jahr später erhielt Valeriu Nistor ein ähnliches Angebot von Compaq, das er aber ausschlug. "Ich war kein IT-Spezialist, darum habe ich abgesagt", lautet seine ehrliche Begründung. Schließlich folgte der Ruf aus der Xerox-Europa-Zentrale, dem der ambitionierte Mann auffiel. 1997 startete Nistor seine Karriere beim Digitaldruckspezialisten Xerox in Bukarest. Er begann zunächst als Marketingdirektor - nach zwei Jahren wurde er Country Manager, zunächst mit Zuständigkeit für ganz Rumänien. Wieder ein Jahr später war er für den gesamten osteuropäischen Raum verantwortlich.

Leben als Expatriate

Seit einem Monat lebt Nistor nun als Expatriate in Wien und ist als Generaldirektor für das Geschäft von Xerox Österreich zuständig. Den Standort gibt es seit 40 Jahren. Hier arbeiten rund 550 Mitarbeiter, sie erwirtschaften rund 100 Mio. Euro.

Den Blick auf den Marktplatz Österreich beschreibt Nistor so: "Die Erwartungen der Kunden sind sehr hoch, wenn sie den Namen Xerox hören. Daher sehe ich es als Pflicht, meine Mitarbeiter extrem zu motivieren. Das versuche ich, indem ich auch verrückten Ideen eine Chance gebe. Xerox Österreich soll eine Art ,Fun Company' werden, die den Tüchtigen und den Kreativen viel Platz einräumt." Humor spielt dabei eine große Rolle. So ist es nicht verwunderlich, dass Nistor mit seiner Mannschaft ins Karikaturen-Museum nach Krems fährt, wo Manfred Deix alle höchstpersönlich durch die Ausstellung führt.

Sein Ziel? "Ich will den Umsatz in den kommenden fünf Jahren verdoppeln: und zwar auf mindestens 200 Millionen Euro - das ist drinnen."

Laut Vertrag wird Nistor bis 2009 in Österreich bleiben. Doch: "Ich fühle mich in Wien so wohl, dass ich mich sehr freuen würde, wenn ich verlängern könnte." (Der Standard, Printausgabe 10./11.7.2004)

Von Judith Grohmann
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