Identifikation mit dem Produkt

26. Juli 2004, 12:47
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Um Erfolg zu haben, müsse man "am Boden bleiben" und dürfe sich für keine Arbeit zu gut sein, ...

... meint Interio-Geschäftsführerin Janet Kath im Karrieretalk von High Potential Networks


In lockerer Atmosphäre bot sie einen Einblick in ihren Werdegang zur Einrichtungskönigin.

Janet Kath ist beschäftigt. Jeder, der Mittwochabend zwischen halb sieben und sieben Uhr den Anton-Bruckner-Saal im Hotel Hilton am Stadtpark betritt, wird persönlich begrüßt. Persönlich: Das heißt Handshake, mehr ist nicht drin. Man ist ja nicht allein.

Der Bruckner-Saal wirkt wie sein Namensspender: schon lange tot. Nicht umsonst wird in den kommenden eineinhalb Stunden gezählte acht Mal das Licht ausgehen, bis dem zeitweise zugezogenen Vorhang nicht länger die letzten Sonnenstrahlen auszusperren erlaubt bleibt. Der 80er-Jahre-Spannteppich erinnert an Omas Wohnung, was keine üble Stimmung erzeugt. Die aufgelegte Teilnehmerliste verspricht 39 Gäste.

19 Uhr, Eröffnungsredner Hannes Offenbacher vom Veranstalter High Potential Network tritt vor. Der heutige Karriere-Talk sei die bereits zweite Veranstaltung dieser Art. Noch lenkt das Panorama hinter Offenbacher ab: zwei riesige, ruhende Baukräne koalieren in Rot-Blau. Plötzlich: Applaus. Fliegender Wechsel Offenbacher - Kath.

Anonym und natürlich

Die 39-Jährige betritt die "Bühne", stellt sich hinter das auf Publikumsebene stehende Rednerpültchen, sprudelt ihren Werdegang herunter und weiß gleich zu fesseln. In der kleinen Burgenländischen Trafik ihrer Eltern habe sie das Verkaufen lieben gelernt. Mit 20 Jahren wurde sie Einkäuferin bei Merkur, startete mit Müsliriegeln. Drei Jahre später führte sie die "Ja! Natürlich"-Reihe ein und kreierte die Kultfigur "Ich, Anonym".

Mitte der 90er wird Kath die Führung der wie Merkur zum Billa-Konzern gehörenden Bipa-Drogerien angeboten. Kath: "Man kann da eigentlich nicht Nein sagen." 1999 war die vorher nur mäßig laufende Bipa-Kette Marktführer. Womit sich Kath die Frage nach ihrer persönlichen Weiterentwicklung stellen musste. Mittlerweile 35 Jahre alt, ehelichte sie zuerst einmal Billa-Boss Veit Schalle, mit dem sie bis dato fast seit eineinhalb Jahrzehnten liiert ist, und schied dann konsequenterweise aus dem Konzern aus.

Viel Zeit brauchte Kath nicht: 2000 übernahm sie Interio Österreich via Franchise. "Mein ganzes Haus ist mit Interio eingerichtet - man muss sich mit seinen Produkten wirklich identifizieren."

Dergleichen kleine Weisheiten des Alltags bietet Kath noch viele: "Fleißig und natürlich sein, auf seinen Bauch hören, am Boden bleiben", ist ihr Erfolgsrezept. Um im Unternehmen akzeptiert zu werden, müsse man - vor allem als Frau - "Vorzeigeleistung bringen", dürfe sich für keine Arbeit zu gut sein. Natürlich hänge Erfolg aber nicht nur von einem selbst ab. Ein toleranter Partner - den sie in Schalle habe - sei wichtig. Einer, der nicht auf den Tisch klopfe, wenn weder Frau noch Essen da sei. Was Kath immer wieder betont: "Das Wichtigste ist, dass man das, was man tut, auch gerne tut."

Ehrlich und charmant

Die 80 Minuten, in denen Kath ihren Aufstieg schildert und ausschweifend auf Fragen eingeht, enden in allgemeiner Hochstimmung. Hannes Offenbacher lädt zum allgemeinen Networking in die Hotelbar, und die zufriedene Audienz verlässt den kargen Bruckner-Saal mit der Gewissheit, einer charmanten und witzigen Geschäftsfrau begegnet zu sein, die trotz ihres Erfolges menschlich geblieben ist - und es nicht nur vorgibt. (Der Standard, Printausgabe 10./11.7.2004)

Von Bernhard Madlener
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