Clinton: "Bush wollte Saddam loswerden"

16. Juli 2004, 20:06
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"Geheimdiensten nicht zuviel anlasten" - Kerry mit "exzellenten Siegeschancen"

Wien - US-Präsident George Bush habe den Irak angegriffen, weil er den irakischen Diktator Saddam Hussein los werden wollte, unabhängig davon, ob dieser über Massenvernichtungswaffen verfügte oder nicht. Dies erklärte Bushs Amtsvorgänger Bill Clinton in einem ORF-Interview in der ZiB 3 in der Nacht auf Dienstag. Die US-Regierung habe Saddam als größere Bedrohung erachtet als den Top-Terroristen Osama bin Laden. Die US-Regierung hatte im Vorfeld des Krieges die Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen stark betont. Kritik übte Clinton daran, dass dem UNO-Waffeninspektor Hans Blix nicht noch jene sechs Wochen eingeräumt wurden, die dieser für die Fortsetzung seiner Überprüfungen im Irak verlangt hatte.

Clinton wandte sich dagegen, den im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg nun kritisierten US-Geheimdiensten "zu viel anzulasten". Es sei damals für den CIA schwierig gewesen, Informationen zu bekommen. Der frühere US-Präsident wies Vorwürfe zurück, selbst nicht genug gegen den Terrorismus unternommen zu haben. Man habe in seiner Amtszeit "den Terrorismus sehr ernst genommen" und "viele Anschläge verhindert" sowie "Terrorzellen gesprengt". Er habe deswegen nicht schon früher Afghanistan angegriffen, da CIA und FBI bis zum Ende seiner Amtszeit im Jänner 2001 nicht nachweisen konnten, dass die Anschläge auf den US-Zerstörer "Cole" im Oktober 2000 und zuvor auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im Jahr 1998 auf das Konto der Terrororganisation Al Kaida von Osama bin Laden gingen.

Clinton gestand in dem Interview persönliche Fehler im Zusammenhang mit seiner Affäre mit Monica Lewinsky ein, er sei aber "rein politisch motivierten Straf- und Zivilverfahren ausgesetzt" gewesen. Auch was man Lewinsky und ihrer Mutter angetan habe sei "schrecklich" gewesen. Er hoffe, "dass es ihr wieder gut geht." Seine damalige Ehekrise habe er mit Hilfe von Eheberatung wieder überwinden können. Zu den politischen Ambitionen seiner Frau Hillary befragt sagte Clinton, der sich gegenwärtig auf Werbetour für seine Memoiren befindet, er werde sie voll unterstützen, falls sie US-Präsidentin werden wolle. Im Moment sei er dabei, dem demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry und dem Vizepräsidentschaftskandidaten John Edwards im Wahlkampf zu helfen. Die beiden hätten "exzellente Siegeschancen". (APA)

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