Kapellari: "Sumpf schleunigst trockenlegen"

13. Juli 2004, 18:39
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Stellvertretender Bischofskonferenz- Vorsitzender kritisiert "Sonderweg in St. Pölten"

Graz - Der stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari, hat in der "Kleinen Zeitung" gefordert, angesichts des Sex-Skandals im Priesterseminar in St. Pölten den "Sumpf schleunigst trockenzulegen". Dieses Trockenlegen würde auch dazu beitragen, dass "andere Priester und Priesterkandidaten keinem falschen Generalverdacht ausgesetzt werden. Pornografie und praktizierte Homosexualität dürfen in keinem Priesterseminar geduldet werden".

"Die Vorfälle rufen nach Aufarbeitung"

"Die Vorfälle rufen nach Aufarbeitung", bekräftigte der steirische Diözesanbischof und stellvertretende Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Egon Kapellari, am Dienstag im Ö1-"Mittagsjournal" seine Forderung nach Konsequenzen aus der Sex- und Porno-Affäre am Priesterseminar St. Pölten. Die Ordnung sei "nach den Regeln der Weltkirche" wiederherzustellen. Ob das heiße, dass er auch einen Rückzug des zuständigen St. Pöltner Diözesanbischofs Kurt Krenn fordere? "Ich habe nichts zu verlangen", so Kapellari. Das liege "nicht in unserer Kompetenz". Und auf weitere Nachfrage meinte Kapellari: "Dazu gibt es von mir keinen Kommentar."

Ordnung ist nach Regeln der Weltkirche wiederherzustellen

Deutlich machte der steirische Diözesanbischof in dem Interview aber, dass am St. Pöltner Priesterseminar die Standards wieder zu erreichen seien, "die in Österreich üblich sind". In St. Pölten habe es einen "Sonderweg" gegeben, dieser habe sich nicht bewährt. Hier müsse es zu Änderungen kommen, sonst würde nicht nur die Kirche in Österreich, sondern auch die Weltkirche Schaden erleiden. Personen, die nicht geeignet seien, Priester zu werden, müssten auf einen anderen Weg geschickt werden und Personen, die die Verantwortung dafür tragen, müssten andere Aufgaben bekommen. Der Schaden nach solchen Vorfällen könne zudem dann gering gehalten werden, "wenn die Kirche ehrlich damit umgeht".

Schrittwieser: "St. Pöltner Weg ist gescheitert"

Franz Schrittwieser, bis 2001 Regens des St. Pöltner Priesterseminars, dann aber von Krenn abgesetzt, meinte im "Mittagsjournal", Krenn wollte einen neuen Weg beschreiten, weil er sich davon mehr Kandidaten erhofft habe, aber "der St. Pöltner Weg ist gescheitert". Es seien in St. Pölten großteils Kandidaten aufgenommen worden, die von anderen Diözesen aus den verschiedensten Gründen - etwa wegen psychischer Labilität oder Krankheit - abgewiesen worden seien. Er habe sich seinerzeit dagegen ausgesprochen, die Aufnahmekriterien herunterzusetzen, so Schrittwieser, der heute Leiter des Propädeutikums ist, einem Einführungsjahr für alle Priesterstudenten. Im vergangenen Jahr habe aus St. Pölten niemand an diesem Propädeutikum teilgenommen, so Schrittwieser. (APA)

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    Egon Kapellari

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