Wäschekonzern Palmers putzt sich hübsch heraus

20. Juli 2004, 13:05
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Die angeschlagene Palmers Textil AG fasst langsam Tritt - Der Konzern schreibt wieder Gewinne, die Bankschulden wurden abgebaut, der massive Kapitalschwund ist offenbar gestoppt

Wien - Die neue Geschäftslinie des renovierungsbedürftigen Wäschekonzerns Palmers Textil AG ("grüner" Palmers, Gazelle und p2) nimmt nach Verkäufen, Filialschließungen und Personalabbau langsam, aber sicher Konturen an.

Im vorigen Geschäftsjahr (1. Februar 2003 bis 31. Jänner 2004) wurde nach einem Verlust von rund drei Mio. Euro ein operativer Gewinn von 5,5 Mio. Euro erwirtschaftet. Die Eigenkapitalquote des angeschlagenen Textilkonzerns (knapp 180 Mio. Euro Umsatz, 110 Filialen, 30 Prozent Marktanteil) steigt, statt Bankschulden von zuletzt neun Mio. Euro hatte die Palmers Textil AG Anfang Juni Bankguthaben von sechs Mio. Euro.

73 Millionen Schulden

Die gesamte Gruppe (mit Immobilien und Beteiligungen wie Gerngross oder Gloriette) steht bei den Banken aber immer noch mit rund 73 Mio. Euro in der Kreide. Zuletzt waren es 232 Mio. Euro. Töchter wie Braun & Co., Helmut Lang, Don Gil, Maldone oder Ludwig Reiter wurden "versilbert", die Zahl der Mitarbeiter von 3095 auf 2600 verringert.

Ein weiterer Abbau steht bevor: Laut Planung sollen es nächsten Jänner nur noch 1925 sein. Gedreht hat sich auch das Gruppenergebnis: von einem Verlust von 6,1 Mio. auf plus 9,3 Mio. Euro.

Diese, dem STANDARD vorliegenden, Ergebnisse und Prognosen wurden den Aktionären rund um die Familien Palmers, Wilhelm und Humer in der Hauptversammlung am 17. Juni präsentiert.

Vorgeschichte

Die Vorgeschichte, im Zeitraffer: Palmers hat die Billigkonkurrenz à la H & M jahrelang weit gehend ignoriert und in den vergangenen zehn Jahren 1,2 Mio. Kunden verloren. Die Expansion nach Deutschland Mitte der Neunziger verstärkte die Krise noch. Ab da schrieb Palmers kaum noch Gewinne, die Eigenkapitalquote sank von 28 auf rund 13 Prozent. Die Eigentümer kassierten trotzdem Dividenden - auf Kosten der Substanz.

Rote Zahlen, bedrohlicher Kundenschwund und Streit im Management führten zu heftigen Turbulenzen bei den Eigentümern, die mit dem Rückzug von Palmers-Chef Rudolf Humer endeten. Derzeit wird die Textil AG von Joachim Knehs und Walter Wölfler geführt. Sie sollen das Unternehmen unter Aufsichtsratspräsident und Sanierer Paul Tanos wieder auf Vordermann bringen.

Die scheidungswilligen Eigentümer tüfteln allerdings seit Monaten an einer Realteilung des Konzerns. Ein Teil betreibt den Verkauf der Textil AG; als Interessent wird gerüchteweise 12-Prozent-Aktionär Humer gehandelt.

Herausgeputzt

Bei wem auch immer die grüne Wäschekette dereinst landen wird: die ersten Aufräumungsarbeiten sind getan. Beim Personal wurden im Vorjahr 5,4 Mio. Euro eingespart, bei der Werbung fast vier Mio. Euro, der Deckungsbeitrag verbesserte sich um zwei Mio. Euro, "sonstige Einsparungen und Verbesserungen" (bis hin zum Aus für die Vorstandskantine) brachten 2,4 Mio. Euro. Das Sorgenkind der Gruppe - die Billiglinie p2 - wurde zum Großhändler degradiert.

Gegen das Kernproblem des grünen Konzerns, das große Kundensterben, wird das naturgemäß nichts nützen. Ob das Gegengift wirkt, wird sich zeigen: Ein neues Sortiment samt billiger Wäsche kommt in die Läden, 25 Mio. Euro werden in die Modernisierung der Filialen gepumpt.

Noch im Juli wird der erste Vorzeigeshop in der Zentrale in Wiener Neudorf eröffnet. Einen kleinen Solidarbeitrag sollen auch die Aktionäre der Textil AG leisten. Laut derzeitiger Beschlusslage verzichten sie auf die Dividende für das Vorjahr. (Renate Graber/DER STANDARD Printausgabe, 13.07.2004)

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Palmers
  • Auf dem Laufsteg der Wirtschaft hat Palmers in den vergangenen Jahren nicht geglänzt, es setzte Verluste und Streit. Jetzt bekommt der Wäschekonzern wieder Oberwasser.
    foto: epa/vassil donev

    Auf dem Laufsteg der Wirtschaft hat Palmers in den vergangenen Jahren nicht geglänzt, es setzte Verluste und Streit. Jetzt bekommt der Wäschekonzern wieder Oberwasser.

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