Frau nach Geburt ihres toten Babys verblutet

13. Juli 2004, 20:20
19 Postings

Neuerlich tragischer Fall am Grazer LKH – Patientenanwältin sieht keinen Ärztefehler

Graz – Nachdem das Grazer Landeskrankenhaus (LKH) erst am Wochenende durch die folgenschwere Verwechslung zweier Schwangerer in die Schlagzeilen gekommen war – bei einer Türkin, die erst im siebten Monat war, wurde die Geburt eingeleitet – wurde nun ein anderer tragischer Fall bekannt. Bereits am 6. Juli war eine 36- Jährige nach der Entbindung ihres toten Babys verblutet.

Die Grazerin, die bereits Mutter zweier Kinder war, befand sich in der 22. Schwangerschaftswoche, als man die Entbindung des Fötus, der vermutlich schon mehrere Wochen tot war, einzuleiten begann. Durch Schadstoffe des toten Kindes im Blut der Mutter war deren Blutgerinnung so stark vermindert, das sie während des Eingriffs stark zu bluten begann und in der Folge verblutete.

Kein ärztliches Fehlverhalten

Die steirische Patientenanwältin Renate Skledar betonte gegenüber dem Standard, dass die beiden Vorfälle "inhaltlich nicht in Verbindung zu bringen sind". Der ärztliche Direktor des LKH, Günther Bergmann und sein Stellvertreter Thomas Pieber hatten betont, dass kein ärztliches Fehlverhalten zu dem Tod der Frau geführt hatte. Skledar teilt diese Einschätzung: "Ich habe schon Vertrauen in die Aussagen von Bergmann und Pieber". Außerdem habe sich der Ehemann der verstorbenen Frau, ein Beschäftigter des Krankenhauses, nicht an Skledar gewandt.

Was aber den Fall der Türkin, die nicht Deutsch spricht, angeht, kritisiert Skledar: "Da wurde einfach die Krankengeschichte behandelt. Und zwar die einer anderen Frau."

Der Grazer Flüchtlingsverein Zebra publizierte erst kürzlich ein Praxishandbuch zur interkulturellen Öffnung des Gesundheitswesens. Zebra-Geschäftsführerin Edith Glanzer zum aktuellen Fall: "Es gibt viel zu wenig Dolmetscher im LKH. Außerdem geht es oft nicht nur um Sprachprobleme, sondern auch um kulturspezifische Unterschiede gerade im Umgang mit Krankheit und Geburt". (cms, Der Standard, Printausgabe, 13.07.2004)

Share if you care.