Arbeitszeiten auf dem Prüfstand: DAX-Unternehmen geteilter Meinung

19. Juli 2004, 13:36
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ThyssenKrupp plant keine konzernweite Ausweitung der Arbeitszeiten - Deutsche Telekom hat eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit vereinbart

Frankfurt - Mit der Vereinbarung zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich in zwei Werken hat der Siemens-Konzern die jüngste bundesweite Debatte um eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit ausgelöst. Bei den im DAX notierten Unternehmen stößt die Diskussion auf unterschiedliche Resonanz.

Der Industriekonzern ThyssenKrupp plant keine konzernweite Ausweitung der Arbeitszeiten. "Wir setzen in Einzelfällen auf lokale Lösungen", sagte ein Konzernsprecher. So habe das Unternehmen etwa bei einer unprofitablen Gießerei in Wuppertal mit den Arbeitnehmern eine zeitlich begrenzte Verlängerung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden vereinbart.

Verkürzte Arbeitswoche bei der Telekom

Die Deutsche Telekom hat dagegen eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit vereinbart, um Arbeitsplätze zu sichern. Der Bonner Konzern steckt derzeit in einer Umstrukturierungsphase und will seine Mitarbeiterzahl drastisch senken. Auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet die Telekom.

Für Deutschlands größten Einzelhandelskonzern Metro steht eine Verlängerung der Arbeitszeit derzeit nicht zur Diskussion, da er bis 2005 an die Tarifverträge mit einer Arbeitszeit von 37,5 Stunden gebunden ist. "Wichtiger als die Frage der Wochenarbeitszeit ist für uns die Frage der Flexibilität", sagte ein Sprecher. Der Handel sei besonders von jahreszeitlichen Schwankungen betroffen.

BASF: Arbeitsstunden im Vordergrund

Für den weltgrößten Chemiekonzern BASF steht nicht die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im Vordergrund. Daher gebe es keine grundsätzlichen Überlegungen zur Verlängerung der Arbeitszeit. "Für uns ist wichtig, schnell und flexibel auf die Anforderungen unserer Kunden reagieren zu können", sagte ein Sprecher.

Diese Flexibilität gebe es in den Chemieverträgen. "Ganz wichtig ist: Wir müssen in Deutschland um so viel besser sein, wie wir teurer sind. Das schaffen wir nur in einem Umfeld, das Innovationen fördert und keine Angst vor neuen Ideen hat."

Ein Sprecher des Energiekonzerns RWE betonte: "Eine Arbeitszeitverlängerung ist bei uns kein Thema. Wir bleiben bei der 38-Stunden-Woche."

Linde: Ausweitung in einzelnen Geschäftsbereichen

Der Anlagenbauer und Gasespezialist Linde denkt im Zusammenhang mit der aktuellen Diskussion über eine Ausweitung der Arbeitszeiten in einzelnen Geschäftsbereichen nach. "Wir prüfen derzeit, ob und wo es Sinn machen würde", sagte ein Sprecher des Unternehmens am Montag auf Anfrage. Die Erhöhungen sollten jedoch nicht "zu extrem" sein. "Wir haben erst Mal die 40 als Zielmarke."

Linde ist mit seinen beiden Unternehmensbereichen an unterschiedliche Tarifverträge gebunden. Bei den Gabelstaplern gilt die 35-Stunden-Woche des Metalltarifvertrags. Der Geschäftsbereich Gase unterliegt dem Chemietarifvertrag mit einer Arbeitszeit von 37,5 Stunden die Woche.

Continental mit 40-Stunden-Woche

Der Autozulieferer Continental hat über eine Öffnungsklausel im Tarifvertrag mit der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) bereits in Teilen des Konzerns für derzeit 1.050 Beschäftigte die 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich eingeführt, sagte eine Conti-Sprecherin.

"Um wettbewerbsfähig zu bleiben, ist es unverzichtbar, die Nutzung der Öffnungsklausel weiter auszuweiten." Auch "40 Stunden plus" müssten Thema der aktuellen Debatte sein. Bei Conti stünden alle Bereiche ständig auf dem Prüfstand, da der Kostendruck bei Autozulieferern enorm hoch sei. Für die Arbeitnehmer bedeute das auf der anderen Seite, dass ihre Arbeitsplätze sicherer seien. Mit Zusatzmaßnahmen wie etwa Arbeitszeitkonten könne man auch 40 Stunden "sehr angenehm arbeiten". (APA/dpa)

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