Es wird zu selten zum Kondom gegriffen

21. Juli 2004, 12:19
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Demographie-Expertin Chaya: Derzeit wird es nur bei 20 Prozent der riskanten Kontakte benutzt - 12 Milliarden Kondome wären erforderlich

Bangkok - Kondome bleiben auf Jahre hinaus der einfachste und günstigste Schutz vor dem Aidsvirus. Trotzdem würden bei weitem nicht genügend dünne Latexhüllen beim Sex benutzt - im vergangenen Jahr weltweit nur rund 6,9 Milliarden, berichteten Experten am Montag auf der Weltaidskonferenz in Bangkok.

Und davon dienten lediglich 2,7 Milliarden zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten, die restlichen 4,7 Milliarden zur Familienplanung. Nötig wären aber insgesamt 12 Milliarden, sagt die Demographie-Expertin Nada Chaya von der Hilfsorganisation "Population Action International".

"Das muss auf 100 Prozent steigen"

"Nur 20 Prozent aller riskanten Sexkontakte werden von einem Kondom geschützt", ergänzt Catherine Hankind, Direktorin bei der UNO- Organisation UNAIDS. "Das muss auf 100 Prozent steigen." Um realistisch zu bleiben, strebe UNAIDS 60 Prozent an. Diesen großen Kondommangel gebe es weltweit, keinesfalls nur in Afrika. Die dünne Hülle aus Latex ist nach wie vor die einfachste, günstigste und neben der Abstinenz die zuverlässigste Methode zum Schutz vor Aids. Wie bei vielen anderen Gelegenheiten weisen die Befürworter der Kondome darauf hin, dass es dafür zu wenig Spenden gebe.

Allein im vergangenen Jahr haben sich 4,8 Millionen Menschen neu mit HIV infiziert, etwa die Hälfte von ihnen war zwischen 15 und 24 Jahre alt. Frauen werden über die große Fläche ihrer Schleimhäute in der Vagina doppelt so leicht infiziert wie Männer. "Kondome müssen überall kostenlos oder sehr günstig zu haben sein", verlangt Nada Chaya.

Aufklärung gehört dazu

Es reiche nicht aus, die Kondome einfach zu verteilen, solche Aktionen müssten zusätzlich von einer Aufklärungskampagne begleitet werden, ergänzt die Kanadierin. Wo dies geschehe, nutzten Frauen Kondome auch. Frauen machen inzwischen rund die Hälfte aller Neuinfizierten aus. Sowohl Nada Chaya als auch die stellvertretende UNAIDS-Direktorin Catherine Hankind verlangen eine bessere Schulbildung sowie mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Frauen. (APA/dpa)

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    Tendenziell auffällige, aber thematisch passende Kleidung (hier: ein Hut) ist längst Usus bei Aufklärungs- veranstaltungen zum Thema Aids

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