Suchmaschine übt für den Börsengang

19. Juli 2004, 16:50
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Noch im Juli könnte der heiß ersehnte IPO von Google über die Bühne gehen - Derzeit laufen letzte Tests für das Auktionsverfahren, mit dem Google seine Aktien verkaufen will

San Francisco - "Zeitgeist" ist das Google-IPO (Initial Public Offering) zwar noch nicht: In dieser Rubrik erfasst die Suchmaschine allwöchentlich, welche Suchbegriffe bei seinen Millionen Benutzern gerade an der Spitze der Neugier stehen.

Aber bei Finanzinvestoren weltweit steht der angekündigte Börsengang von Google seit Wochen und Monaten in der Bestsellerliste. Seit dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 ist er das am meisten erwartete IPO eines Technologieunternehmens, quasi die Nagelprobe für das Comeback der gesamten Branche, die wieder Gewinne schreibt und Zukunftshoffnungen hat.

Börsenstart noch im Juli

Jetzt ortet die Financial Times den nahenden Börsenstart noch im Monat Juli. Der Erstverkauf der Google-Aktien hängt von zwei Faktoren ab, schreibt die Finanzzeitung:

Von erfolgreichen Tests des computerisierten Auktionssystems, zu dem sich Google für seinen Börsengang entschlossen hat, und dem grünen Licht der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commissions). Google und seine 30 Banker, die von Morgan Stanley und Credit Suisse First Boston geführt werden, sollen das System inzwischen erfolgreich getestet haben.

Für den Start im Juli wird die Zeit jedoch knapp. Es bleiben noch einige Hürden zu nehmen, darunter die Festlegung des Preisbandes für das IPO und eine Marketingkampagne für das Angebot.

Nicht zuletzt könnten die Börsenwächter den Börsenstart verzögern, wie dies zuletzt bei Salesforce.com der Fall war, die im Juni an die Börse ging und deren Kurs unmittelbar nach Ausgabe der neuen Aktien um 56 Prozent stieg.

Zwei Milliarden US-Dollar

Mit einem erwarteten Ertrag von zwei Milliarden US-Dollar (1,6 Mrd. Euro) soll Googles IPO der größte im heurigen Jahr sein. Aber auch wenn die beteiligten Banken sich in ihrer Selbstdarstellung damit schmücken können, dürften ihre Gebühren im Vergleich zu den Dotcom-Hochzeiten und den sonst an der Wall Street gängigen sieben Prozent relativ bescheiden ausfallen. Dies sei auch der Grund, warum sich Merrill Lynch wieder zurückgezogen habe, da sich der Aufwand nicht lohne.

Der Markt für Suchmaschinen wird trotz oder gerade wegen des großen Erfolgs von Google immer stärker umkämpft. So hat Yahoo, das sich bisher in erster Linie als Register von Websites verstand, durch die Übernahme des Konkurrenten Overture seine Suchfähigkeiten stark ausgebaut.

Microsoft investiert in "Googlification"

Auch Microsoft will seine nicht geringen Barmittel (nach letzter Zählung rund 50 Mrd. US-Dollar) in die "Googlification" seines Webdienstes MSN stecken, dessen MSN- Suche an dritter Stelle des Benutzerinteresses nach Google und Yahoo steht.

Zum einen hat sich Microsoft dem spartanischen Aussehen von Google angepasst: Eine Suche auf search.msn.com wirkt wie eine Kopie des erfolgreichen Marktführers; auch die Werbung wird im Google-Stil serviert.

Die Suche selbst beruht derzeit noch auf der Technologie von Yahoo; künftig will Microsoft mit eigener Technik "ein Sucherlebnis der nächsten Generation" anbieten. Einen Blick unter die Haube der Forscher bietet der Beta-Site techpreview.search.msn.com. (spu/DER STANDARD Printausgabe, 13.07.2004)

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    Die Google-Gründer Larry Page (oben) und Sergey Brin gelten trotz - oder Gerade wegen ihren unkonventionellen Sichtweisen akls die neuen Wonder-Boys ind der IT-Branche.

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