Ross Brawn - die Stimme in Schumis Ohr

23. Juli 2004, 13:01
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Der Technische Direktor von Ferrari begleitet den sechsfachen Weltmeister seit dessen Tagen bei Benetton und knobelt die Rennstrategie der Roten aus

Silverstone - Ross Brawn, der Technische Direktor und Chefstratege im Ferrari-Team, hatte den neuerlichen Triumph von Michael Schumacher schon vor dem ersten freien Training beim Formel-1-GP in Silverstone prognostiziert. Für ihn sei es ein besonderes Vergnügen, die englischen Teams in ihrer Heimat zu bezwingen, meinte der 49-Jährige in seiner bekannt ruhigen Art.

Dabei wären Zweifel an einer weiteren Erfolgsmeldung für die "Scuderia" durchaus angebracht gewesen, zumal auf Grund der mit zwei Siegen (1998, 2002) und nur einer Pole-Position (2001) verhältnismäßig bescheidenen Erfolgsquote des Weltmeisters auf dem Areal des ehemaligen Kriegsflughafens. Michael Schumacher und Silverstone. Das war eine Beziehung, die noch nicht so ganz Bild des Seriensiegers passt.

Selbst der Triumph vor sechs Jahren war nicht über alle Zweifel erhaben, weil Ergebnis einer kuriosen Entscheidung. Schumacher wurde zum Gewinner erklärt, obwohl Mika Häkkinen als Erster abgewunken wurde. Schumacher überquerte die Ziellinie in der Boxengasse (!), als er eine Zehn-Sekunden-Strafe absitzen wollte. Die zehn Sekunden wurden hinterher zur effektiven Fahrzeit addiert, angesichts der gut 22 Sekunden Vorsprung Schumachers änderte sich am Klassement nichts mehr.

Schon bei Benetton ein Team

Umso süßer schmeckt Brawn der neueste Triumph. Der Hobby-Schachspieler darf nun praktisch im Zwei-Wochen-Takt die Früchte seiner Arbeit ernten, die er 1997, ein Jahr nach Schumacher, bei Ferrari aufgenommen hatte. Mit dem sechsfachen Champion hatte Brawn schon bei Benetton zusammengearbeitet und ihm dort den Weg zu den ersten beiden WM-Titeln geebnet. Mittlerweile hat Schumacher unter der Ägide Brawns 77 Grand Prix gewonnen. Brawn ist für das gesamte Engineering und die Rennstrategie verantwortlich, sozusagen die Stimme in Schumachers Ohr, die ihm den Weg zum Erfolg weist.

Bei Brawns Einstieg bei Ferrari waren McLaren und Williams die dominierenden Teams, Ferrari war nur Mitläufer. Brawn restrukturierte die technische Abteilung und investierte in neue Technologien und neues Personal. Nach drei Saisonen kehrten die Roten endgültig zum Erfolg zurück und sind seither das Maß aller Dinge.

Interne Lösung von Personalien

Die Gefahr der Übersättigung sieht Brawn nicht: "Wir alle sind nach wie vor hungrig nach Erfolgen. Die Motivation ist in der ganzen Organisation ungebrochen. Jeder zieht den anderen mit, jeder ist stolz, in einem solchen Unternehmen arbeiten zu dürfen." Dass dem auch in Zukunft so sein wird und Ferrari seine Vormachtstellung behaupten kann, wurden bereits die Weichen gestellt.

So soll Jean Todt, der erst kürzlich zum Generaldirektor befördert worden und hinter Präsident Luca Di Montezemolo zur Nummer zwei des Sportwagenherstellers aufgestiegen ist, dereinst von Stefano Domenicali als Teammanger abgelöst werden. Als Nachfolger von Chefdesigner Rory Byrne ist Aldo Costa vorgesehen. "Wir suchen bewusst interne Lösungen, die den Geist innerhalb unseres Teams aufrecht erhalten", begründet Brawn. Schwieriger wird es werden, Michael Schumacher (Vertrag bis 2006) zu ersetzen.

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    Ross Brawn und Michael Schumacher nach dem 80. GP-Sieg des Weltmeisters auf dem Podium von Silverstone.

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