Uganda und USA propagieren Keuschheit

21. Juli 2004, 12:19
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Ugandischer Präsident Museveni provozierte WissenschafterInnen und Betroffene

Bangkok - Auf der 15. Internationalen Aidskonferenz in Bangkok ist ein Streit über Kondome und ihren Nutzen beim Kampf gegen die Immunschwäche entbrannt. Ausgelöst wurde er durch die Erklärung des ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni, Abstinenz und Treue seien effektivere Wege zur Vermeidung einer Infektion. "Kondome sind nicht die ultimative Lösung", sagte er am Montag, dem zweiten Tag der Konferenz.

Widerspruch durch Fakten

Während Museveni damit im Einklang mit US-Präsident George W. Bush steht, provozierte er die Mehrheit der Wissenschafter und Betroffenen in Bangkok. Sie verweisen auf Staaten wie Thailand, wo die Verwendung von Kondomen in der Sexindustrie und Prostitution die HIV-Rate um das Siebenfache reduziert haben.

Gesundheitsexperte Tim Brown vom East West Center stellte fest, dass die dramatische Ausbreitung von Aids in China und Bangladesh vor allem durch Prostitution verursacht sei. "Ich muss Museveni widersprechen", sagte er. "Wenn 50 Prozent mehr Menschen Kondome benutzen, werden sich 50 Prozent weniger anstecken."

"Liebevolle Beziehungen von Mann und Frau"

In Uganda ist die HIV-Infektionsrate von mehr als 30 Prozent zu Beginn der neunziger Jahre auf noch etwa sechs Prozent gedrosselt worden. Im Kampf gegen Aids seien liebevolle Beziehungen von Mann und Frau von entscheidender Bedeutung, sagte der ugandische Staatschef.

Bei Problemen in der Ehe sollte diese aber besser beendet werden, als dass ein untreuer Partner den Aids-Erreger ins Haus bringe. "Außerdem ist der Beischlaf in manchen Kulturen sehr kunstvoll, so dass Kondome dabei stören können", sagte er vor dem Plenum weiter. Kondome sollten von denjenigen benutzt werden, die nicht zu Treue fähig seien oder sich nicht zurückhalten könnten.

Finanzielles Keuschheitsgebot der USA

Bush wurde dafür kritisiert, dass ein Drittel des von Washington bereitgestellten Geldes für den Kampf gegen Aids für Programme ausgegeben werden muss, die Enthaltsamkeit vor der Ehe fordern. "Fünf Millionen Menschen infizieren sich jährlich mit HIV. Mädchen und Frauen haben oft keine Möglichkeit, abstinent zu bleiben", sagte die US-Abgeordnete Barbara Lee. "Da sind Enthaltsamkeitsprogramme nicht nur unverantwortlich, sie sind unmenschlich."(AP)

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    Protestschild vor dem Konferenzgebäude

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