Versicherungen lehnen Führerscheinneulinge ab

20. Juli 2004, 13:49
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Neue Kfz-Haftpflichtversicherungen bis zu 24 Prozent teurer - Keine Versicherung hat Prämien gesenkt - ARBÖ rät zum Preisvergleich

Wien - Für junge Führerscheinneulinge wird es immer schwieriger, eine Haftpflichtversicherung zu finden. Laut einer Vergleichsstudie des ARBÖ akzeptieren mittlerweile fast zwei Drittel (konkret 61 Prozent) der 18 untersuchten Versicherungen Führerscheinneulinge erst ab einem gewissen Alter - großteils ab 23 oder 25 Jahren - oder nur unter ganz bestimmten Bedingungen. Die Tendenz sei "Besorgnis erregend", vor einem Jahr hätten erst 44 Prozent der Versicherungen Jugendliche abgelehnt, so der ARBÖ. Die besten Chancen haben laut Autofahrerclub Mädchen mit leistungsschwächeren Fahrzeugen oder neueren Gebrauchtwagen. Am schwersten tun sich junge Männer mit stärkeren oder älteren Fahrzeugen, eine Versicherung zu finden.

Preise zogen deutlich an

Neue Kfz-Haftpflichtversicherungen sind im ersten Halbjahr deutlich teurer geworden. Wie aus einer Erhebung des Autofahrerclubs ARBÖ hervorgeht, haben die Versicherungen die Prämien für Kfz-Haftpflichtverträge gegenüber dem Vorjahreszeitraum um bis zu 24 Prozent angehoben. Im Durchschnitt betrug die Verteuerung demnach rund 4 Prozent. Billiger geworden ist keine einzige Versicherung. Der ARBÖ rät den Kunden, die Preise genau zu vergleichen. Der Preisabstand zwischen der günstigsten und teuersten Haftpflichtversicherung hat sich von 362 auf 443 Euro erhöht.

Die Untersuchung des Autofahrerclubs bezieht sich auf Neuabschlüsse. Durch eine vergangene Woche beschlossene Gesetzesänderung werden in Zukunft aber auch bestehende Prämien automatisch im Ausmaß der Inflation angehoben werden können. Bisher hatten Versicherungen Erhöhungen innerhalb bestehender Verträge gegenüber dem Versicherten begründen müssen. Neu ist auch, dass die Mindestversicherungssumme ab Oktober 3 Mio. Euro statt bisher 1,09 Mio. Euro betragen wird. Rund ein Viertel der Haftpflichtversicherten, schätzt der ARBÖ, werden deshalb Neuverträge abschließen müssen. Die Prämien für diese Kunden dürften sich durch die Umstellung im Herbst um zusätzlich zwei bis drei Prozent erhöhen.

"Anker" am teuersten

Der ARBÖ hat bei seiner Untersuchung die Prämien beim Abschluss eines Versicherungsvertrages für einen drei Jahre alten VW Golf (90 PS) verglichen und bei allen Tarifen 288 Euro Versicherungssteuer miteingerechnet. Die teuerste Kfz-Haftpflichtversicherung war bei diesem Vergleich die Anker-Versicherung mit einer Jahresprämie von 1.424,59 Euro, hier wurden die Prämien um 23,8 Prozent angehoben. Dahinter folgen die Kärntner Landesversicherung mit 1.269,52 Euro, die Victoria-Volksbanken-Versicherung mit 1.264,70 Euro und die Donau-Versicherung mit 1.246,49 Euro Jahresprämie. Die billigste Kfz-Haftpflicht bietet trotz einer Prämienerhöhung um 6,5 Prozent nach wie vor mit Abstand die VAV Versicherung an, sie verrechnet eine Jahresprämie von nur 960,48 Euro. Bei den meisten anderen Versicherern liegt die Jahresprämie für den VW Golf zwischen 1.100 und 1.200 Euro.

"Zuckerl" im Angebot

Allerdings, räumt der ARBÖ bei dem Vergleich ein, bieten die Haftpflichtversicherer zunehmend auch "Zuckerl" an, die in der Prämie inkludiert sind. Bei Wüstenrot etwa gibt es für Neukunden einen "Freischaden", d.h. nach dem ersten Unfall zahlt die Versicherung zwar den Schaden, die Prämie wird aber trotzdem nicht erhöht. Die Generali gewährt umgekehrt einen Zusatzbonus für schadenfreies Fahren - ebenso die Wiener Städtische, die Donau und die Raiffeisen-Versicherung. Diese Versicherungen bieten zusätzlich auch noch einen Bonus für Besitzer des neuen Mehrphasen-Führerscheins an, was der ARBÖ positiv herausstreicht.

Deutliche Verluste

Die Kfz-Haftpflichtversicherungen hatten in den vergangenen Jahren deutliche Verluste geschrieben. Nach der Verschärfung der Aufnahmekriterien und der weiteren Erhöhung der Prämien haben die heimischen Auto-Versicherer aber nach jüngsten Aussagen aus der Branche gute Chancen, in der Kfz-Haftpflicht heuer die Verlustzone zu verlassen und erstmals seit vielen Jahren wieder ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen. (APA)

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