Kein "Jedermann"

8. September 2004, 13:55
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Hugo von Hofmannsthal starb vor 75 Jahren - Theaterdichter, Opernlibrettist und Mitinitiator der Salzburger Festspiele

Wien - Als Mitinitiator der Salzburger Festspiele schenkte er Österreich sein bekanntestes Kulturfestival. Und mit seinem "Jedermann" zeichnet er auch als Autor für das Herzstück der Festspiele verantwortlich: Hugo von Hofmannsthal, der ebenso unter den Pseudonymen Loris, Loris Melikow und Theophil Morten veröffentlichte. Der Schriftsteller, der als ein herausragender Vertreter der klassischen Moderne gilt, starb vor 75 Jahren, am 15. Juli 1929.

Sohn eines Bankdirektors

Als Sohn eines reichen Bankdirektors wurde Hofmannsthal am 1. Februar 1874 in Wien geboren und wurde früh gefördert. Bereits als Schüler des Akademischen Gymnasiums trat er mit bemerkenswerten Dichtungen hervor und erhielt durch Gustav Schwarzkopf Zugang zu dem im Cafe Griensteidl verkehrenden Kreis der Autoren der Wiener Moderne. Nach der Matura studierte er an der Universität Wien zunächst von 1892 bis 1894 Jus, leistete bis 1895 ein Freiwilligenjahr beim Dragonerregiment in Brünn und Göding und studierte danach Romanistik. 1899 gab er die Unilaufbahn als Romanist zu Gunsten des Schriftstellerberufes auf.

Erstling "Gestern"

Nach dem Erstling "Gestern" schrieb Hofmannsthal in den 1890ern Werke, die seinen frühen Ruhm begründeten: die Gedichte "Vorfrühling", "Ballade des äußeren Lebens" etwa und die kleinen lyrischen Dramen "Der Tod des Tizian", "Der Tor und der Tod", "Der weiße Fächer" oder "Der Kaiser und die Hexe". Einen Höhepunkt seiner frühen Schaffensperiode markierte 1902 der Prosatext "Ein Brief", bekannt auch als "Brief des Lord Chandos", in dem Hofmannsthal radikale Skepsis an der Sprache äußerte.

Fragen der Ethik

In seinen späteren Werken standen vor allem Fragen der Ethik im Zentrum. Weiters bemühte er sich um die Erneuerung der antiken Tragödie - in Verbindung gebracht mit der Psychoanalyse. Er befasste sich aber auch mit dem mittelalterlichen Mysterienspiel, wodurch etwa seine "Jedermann"-Neufassung aus dem Jahr 1911 entstand. Eine lebenslange Freundschaft verband Hofmannsthal mit dem Komponisten Richard Strauss, für den er Opernlibretti verfasste (z.B. "Elektra", "Ariadne auf Naxos" und "Der Rosenkavalier").

Kulturpolitische Aufsätze

Weiters schrieb Hofmannsthal zahlreiche kulturpolitische Aufsätze und Reden zu den Problemen der Zeit und zur Stellung des Dichters in der Gesellschaft. Auch als Initiator der Salzburger Festspiele (zusammen mit Max Reinhardt und Richard Strauss) wirkte er nachhaltig auf die Kulturgeschichte Österreichs. Hofmannsthal starb am 15. Juli 1929 in Rodaun bei Wien. Dort hatte er seit 1901, dem Jahr seiner Heirat mit Gertrud Schlesinger, als freier Schriftsteller gelebt, unterbrochen nur durch den Ersten Weltkrieg, in dem er zuerst kurz in Istrien, dann beim Kriegsfürsorgeamt in Wien stationiert war.

Weitere Werke: Die Dramen "Das kleine Welttheater", "Das Bergwerk zu Falun", "Alkestis", "Der Schwierige", "Der Unbestechliche", "Der Turm", die Opernlibretti zu "Ariadne auf Naxos", "Josephslegende", "Die Frau ohne Schatten", "Die ägyptische Helena", "Arabella" und "Die Liebe der Danae". An Prosa wurden vor allem das "Buch der Freunde" und "Die Berührung der Sphären" bekannt. (APA)

  • 1999 widmete Österreich Hofmannsthal eine 20-Schilling-Münze
    foto: münze österreich

    1999 widmete Österreich Hofmannsthal eine 20-Schilling-Münze

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