Bischof Krenn denkt nicht an Rückzug

12. Juli 2004, 17:44
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Zulehner: Krenn soll zur Kenntnis nehmen, "ich bin krank, mir setzt der Alkohol zu sehr zu", und das Amt verlassen

Wien - Der St. Pöltner Diözesanbischof Kurt Krenn denkt nach Bekanntwerden der Porno-Affäre am St. Pöltner Priesterseminars nicht an Rücktritt. Die Frage des "Ö1"-"Mittagsjournals", ob er sein Amt zur Verfügung stellen werde, beantwortete Krenn mit einem schlichten "Nein". Auch Gerüchte, wonach ihm ein Koadjutor, also ein Weihbischof mit besonderen Vollmachten, der dann auch sein Nachfolger würde, zur Seite gestellt werde, verneinte Krenn. "Ich habe keinen Koadjutor bis jetzt und ich weiß nichts davon."

Indessen wird auch aus Kirchenkreisen massive Kritik an Krenn laut. So meinte Martin Walchhofer, Vorsitzender aller österreichischer Priesterseminar-Leiter im "Mittagsjournal", zu den Vorgängen in St. Pölten: "Es ist sicher erschütternd, dass das passiert. Die Verantwortung trägt der Bischof." Dieser müsse dies alles vor der Kirche, aber auch vor Gott verantworten. Denn letztlich habe immer der Bischof die Entscheidung getroffen, sowohl bei der Aufnahme eines Seminaristen, als auch bei der Zulassung zur Weihe.

"Unintegrierte Sexualität"

Klare Worte fand auch der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner. Wieder einmal sei man mit dem Problem "unintegrierter Sexualität" konfrontiert. Die betroffenen Männer würden in der Folge eine Neigung zu Sexualität mit Minderjährigen zeigen, dies sei nicht heilbar. Die einzige Möglichkeit sei es, solche Personen vom Priesterseminar fern zu halten, "man muss präventiv handeln". Zulehner schlug vor, dazu vielleicht auch eine Frau in die Seminarleitung zu integrieren.

Die aktuelle Affäre bezeichnete Zulehner als "eine Art pastoraler Supergau der Diözese" und als "letzte Ernte" einer völlig verfehlten Bischofsernennungspolitik Roms. Was nun zu tun sei? Krenn sollte zur Kenntnis nehmen, "ich bin krank, mir setzt der Alkohol zu sehr zu". Und: er sollte zur Kenntnis nehmen, dass er nicht mehr in der Lage sei, solche Zustände zu verhindern. Die Konsequenz müsste sein, das Amt zu verlassen. Es sei allerdings zu fürchten, dass der Bischof psychisch schon so schwach sei, dass er die Kraft für einen solchen Schritt nicht mehr habe. Dann fordere er allerdings die Bischofskonferenz und die Verantwortlichen in Rom auf, zu handeln und damit auch keinen Tag mehr zuzuwarten, so Zulehner.

Der Pastoraltheologe betonte weiter, es gebe nichts zu vertuschen. Es sei nicht nur an das Wohl der Kirche und des Priesterseminars zu denken, sondern es gehe auch um die potenziellen Opfer. "Der Staat macht das ja nicht umsonst strafbar." Die Kirche habe hier gar keine andere Wahl, als zu sagen, dass man sich, wenn kriminell gehandelt werde, den staatlichen Regeln unterordne. (APA)

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    Krenn weiß nichts von einem Rücktritt

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