Mehr Anzeigen gegen Gewalt gegen Frauen

22. Juli 2004, 11:38
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Vorarlberg: Opferschutzeinrichtung beklagt Budgetkürzung des Bundes trotz steigender Betreuungen

Bregenz - Die am Samstag veröffentlichte vorläufige Kriminalstatistik für Vorarlberg zeigt eine Besorgnis erregende Entwicklung, auf die die Interventionsstelle Vorarlberg aufmerksam macht: Gewalt in der Familie nimmt auch im Ländle kontinuierlich zu, während die Budgetmittel für Prävention und Hilfe gekürzt werden.

Fünfprozentige Steigerung

Die Zahl der - bekannt gewordenen - strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben ist im ersten Halbjahr in Vorarlberg um knapp fünf Prozent auf 2.053 gestiegen, die der strafbaren Handlungen gegen die Freiheit um 21,4 Prozent auf 409 Fälle. Ein beträchtlicher Teil davon spielt sich innerhalb der eigenen vier Wände ab, so Elisabeth Kiesenebner-Bauer, die Leiterin der Interventionsstelle Vorarlberg: 252 neue Opfer - zu 95 Prozent Frauen - seien im Vorjahr beraten, unterstützt und begleitet worden. Das entspreche einer Steigerung um 28 Prozent und der Trend sei nicht abgerissen. Hinzu kamen noch 142 Klienten, die bereits im Vorjahr die Hilfe der Opferschutzeinrichtung in Anspruch genommen hatten.

Trotz der kontinuierlich steigenden KlientInnenzahlen ist das diesjährige Budget der je zur Hälfte von Innenministerium und Bundesministerium für Gesundheit und Frauen finanzierten Einrichtung um fünf Prozent geringer als im Vorjahr. Bereits jetzt ist das Team der in Vorarlberg vom Institut für Sozialdienste (IfS) geführten Einrichtung an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen: "Der Ausbau der Gewaltprävention und die Wahrung der Opferrechte ist wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft und benötigt auch in Zukunft ausreichende Budgetmittel und rechtliche Grundlagen", betont die Interventionsstellen-Leiterin.

Aufgeklärte Exekutive

Erfreulich ist für sie das gestiegene Verständnis der Exekutive für die Opfer familiärer Gewalt: "Opferfreundliche Behördenprozesse helfen dabei, erneute Ängste, Verletzungen und Traumatisierungen zu vermeiden. Wegweisungen und Betretungsverbote werden heute eher ausgesprochen als noch vor einigen Jahren. 2003 wurden 147 Wegweisungen und Betretungsverbote, um 35 Prozent mehr als im Vorjahr, von der Exekutive gemeldet." (APA)

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