Vojvodina-Ungarn beklagen systematische "Welle der Gewalt"

13. Juli 2004, 11:11
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Kasza: "Mehr Ausschreitungen als während Milosevic-Diktatur"

Budapest - Eine "nie da gewesene Welle der Gewalt" gegen nationale Minderheiten in der nordserbischen Provinz Vojvodina beklagen führende Vertreter der Vojvodina-Ungarn. Laut Jozsef Kasza, Vorsitzender des Verbandes der Ungarn in der Vojvodina (VMSZ), hätte es nicht einmal in den zwölf Jahren der Milosevic-Diktatur derart massive Angriffe auf die ungarische Volksgruppe gegeben wie in den vergangenen sechs Monaten. Bei den brutalen Ausschreitungen wurden Jugendliche der Minderheit tätlich angegriffen, Gräber auf ungarischen Friedhöfen zerstörten. Der Vorsitzende der führenden politischen Partei der ungarischen Minorität forderte den serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica auf, den ethnisch motivierten Vorfällen ein Ende zu machen.

Kasza kritisiert den serbischen Premier, der bisher "nichts unternommen hat, um die Ausschreitungen zu unterbinden". Beklagt wird zugleich das passive Verhalten der Polizei. Die "Häufigkeit und Systematik sowie Organisiertheit der Fälle" würde darauf schließen lassen, dass es sich "keineswegs um spontane Reaktionen handelt, sondern um bewusste, organisierte Aktionen, mit denen psychischer und physischer Druck auf die Minderheiten ausgeübt werden soll". Jozsef Kasza erinnerte den serbischen Regierungschef daran, dass der Europarat im Zusammenhang mit den Ausschreitungen in Kürze einen Beschlussentwurf verabschieden werde. Auch das Europaparlament sowie die Menschenrechtsorganisationen Helsinki-Komitee und Amnesty International seien über die minderheitenfeindlichen Aktionen unterrichtet worden.

Bei einem Treffen mit seinem ungarischen Amtskollegen Laszlo Kovacs am Sonntag in Belgrad erklärte der serbische Außenminister Vuk Draskovic, er "verurteile die Ausschreitungen gegen die Vojvodina-Ungarn auf das Schärfste". Dabei würde es sich um letzte verzweifelte Zuckungen der Milosevic-Kräfte" handeln. Wie die Ungarische Nachrichtenagentur MTI am Sonntag weiter berichtete, sei Draskovic der erste serbische Politiker, der die Angriffe auf die ungarische Minderheit in der Vojvodina verurteilte. Laszlo Kovacs erinnerte auch den serbischen Ministerpräsidenten Vojislav Kostunica daran, dass das "Bremsen" der ungarnfeindlichen Ausschreitungen nicht nur die Erwartung Ungarns sei, sondern auch die der Europäischen Union und der NATO. (APA)

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