Verheerende Folgen für die Volkswirtschaften armer Länder

21. Juli 2004, 12:19
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Simbabwe verliert bis 2015 40 Prozent seiner Bewohner im arbeitsfähigen Alter

Genf - Die UN-Organisation für Arbeit (ILO) warnt vor den dramatischen Auswirkungen der Immunschwächekrankheit Aids auf die Volkswirtschaften armer Staaten. Bis zum kommenden Jahr werden nach Schätzungen der ILO weltweit 28 Millionen Beschäftigte an Aids gestorben sein, bis 2015 wird die Zahl der Todesfälle auf 74 Millionen ansteigen.

Das am schwersten betroffene Land Simbabwe werde dann 40 Prozent seiner Menschen im arbeitsfähigen Alter verloren haben. "Aids ist nicht nur in menschlicher Hinsicht eine Krise, es ist eine Bedrohung für die nachhaltige globale, soziale und wirtschaftliche Entwicklung", erklärte ILO-Generaldirektor Juan Somavia in Genf.

Zahlen und Fakten

In dem am Sonntag veröffentlichten Bericht "HIV/Aids und Arbeit" heißt es, es gebe 36,5 Mio Infizierte, die normalerweise einen Beitrag zur Wirtschaft ihres Landes leisten würden. Von diesen seien bis 2005 etwa zwei Millionen arbeitsunfähig, weitere zwei Millionen müssten ihre eigene Arbeit aufgeben, um die Erkrankten zu pflegen.

Bis 2015 werde Afrika südlich der Sahara insgesamt zwölf Prozent seiner Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter wegen Aids verloren haben. Zwischen 1992 und 2002 habe das addierte weltweite Bruttoinlandsprodukt jährlich um 25 Mrd. Dollar unter der Summe gelegen, die ohne Aids zu erwarten gewesen wäre. Dabei seien die ärmsten Länder besonders betroffen: Kinder seien gezwungen, den Schulbesuch aufzugeben, und auf dem Land könnten weniger Nahrungsmittel angebaut werden. In den USA dagegen, wo die meisten Infizierten medizinisch gut versorgt würden, seien die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht messbar.

Geld für Vorsorge und Behandlung auch wirtschaftlich positiv

Die Autorin des Berichts, Odile Frank, sagte, Arbeitgeber begännen zu erkennen, dass Vorsorge und Behandlung die Unternehmen billiger kämen als Krankheit und Tod der Beschäftigten. Das Minenunternehmen Anglo-American in Südafrika habe beispielsweise 2003 mit der Ausgabe von Medikamenten an HIV-positive Beschäftigte begonnen und erwarte allein im ersten Jahr des Programms einen Rückgang der Todesrate von 30 auf 3,4 Prozent. (APA)

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