"Portugals Berlusconi" heißt Santana Lopes

13. Juli 2004, 20:47
posten

Der Bürgermeister von Lissabon gilt selbst in der eigenen Partei als populistischer Showpolitiker und Frauenheld

Madrid/Lissabon - Entgegen allen Erwartungen hat Portugals Präsident Jorge Sampaio am Freitag keine Neuwahlen verkündet, sondern die konservative Sozialdemokratische Partei (PSD) mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. Damit wird der polemische PSD-Parteichef und Lissaboner Bürgermeister Pedro Santana Lopes neuer Ministerpräsident und Nachfolger des designierten EU-Kommissionspräsidenten Jose Manuel Durao Barroso.

Jorge Sampaio fiel die Entscheidung schwer. Doch sein Interesse in der krisengeschüttelten Republik galt der politischen Stabilität. Der 48-jährige Santana Lopes versprach dem Staatsoberhaupt, den strikten Sparkurs sowie die Europa- und Außenpolitik seines Vorgängers weiterzuführen. Sampaio gab dem als "portugiesischer Berlusconi" verschrienen Santana Lopes zu verstehen, er werde die Regierungspolitik genau verfolgen und gegebenenfalls einschreiten. Denn selbst in der eigenen Partei gilt Santana als rechter Populist und Enfant terrible, was ihm seit Jahren den Weg an die Parteispitze verbaut und keinen guten Ruf als seriöser Politiker eingebracht hat.

Für viele das genaue Gegenteil von Barroso

Für viele ist er das genaue Gegenteil von Durao Barroso, der als zuverlässiger, eher langweiliger Pragmatiker gilt, der streng die leeren Kassen verwaltet. Santana Lopes betrieb bereits als Bürgermeister von Lissabon eine Politik, die den Stadtkassen zwar schadete, ihm selbst aber Wählerstimmen einbrachte. In den eigenen Reihen gilt er als "Showpolitiker" und "Wahlkampfmaschine". Der als Frauenheld bekannte Jet-Set-Politiker umgibt sich gerne mit Stars und Glamour. Für die Boulevard-Presse ist der Vater von fünf Kindern, der schon drei Mal verheiratet war, ein gefundenes Fressen.

TV stellte ihn als "liebestollen Alkoholiker" dar

Nachdem er im Fernsehen als liebestoller Alkoholiker dargestellt worden war, wollte er sich eigentlich aus der Politik zurückziehen. Doch der Vorsatz war nicht von Dauer. Schon immer fühlte sich Santana Lopes zu Höherem berufen: Mit sieben Jahren wollte er Pfarrer werden. Aber dann entdeckte er seine großen Leidenschaften: Frauen und Politik. Nach der Nelkenrevolution 1974, welche die faschistische Diktatur beendete, arbeitete der Jusstudent in einer rechtsextremen Gruppe. Bad darauf aber trat er 1976 mit 19 Jahren der PSD bei, in der sich mittlerweile auch Durao Barroso engagierte. Ende der 70er Jahre machte er ein Politologie-Semester in Deutschland und wohnte dort in einem Studentenheim des Opus Dei. Mit 24 Jahren wurde er Mitglied des portugiesischen Parlaments, mit 31 Jahren EU-Abgeordneter.

Aufgaben außerhalb der Politik

Immer wieder übernahm der nach Prestige und Macht strebende Santana Lopes auch andere Aufgaben außerhalb der Politik. 1989 leitete er einige Monate mehrere Zeitungen und einen Radiosender. Ab 1995 stand er ein Jahr lang dem Fußballklub Sporting Lissabon vor, was seinen Bekanntheitsgrad im Land enorm steigerte. Ansonsten fiel er eher mit allerlei Extravaganzen auf. Mit Durao Barroso hatte er sich zwischenzeitlich zerstritten und drohte mit der Gründung einer neuen, liberalen Partei. Aber 2001 kam es wieder zur Versöhnung. Zwar wurde er kurzzeitig Kulturminister, doch die Parteispitze verbaute ihm immer wieder den Weg nach oben. Drei Mal scheiterte er beim Versuch, Parteichef zu werden.

Auch bei seiner jetzigen Ernennung machte sich vor allem bei den Ministern große Unruhe breit. Viele werden zurücktreten, sobald Santana Lopes wirklich die Regierungsgeschäfte in die Hand nimmt. Der ehemalige Premier und PSD-Übervater Cavaco Silva sprach Santana Lopes öffentlich sämtliche politischen Qualifikationen ab, das Land in dieser schwierigen Situation zu regieren. Er riet ihm, sich doch weiterhin um die Verkehrsprobleme Lissabons zu kümmern.

Seine Haltung zu wichtigen Themen ist unklar

Seine Kritiker bemängeln vor allem, dass niemand so richtig weiß, welche Ansichten Santana Lopes bei wichtigen Themen wie Staatshaushalt, Sozial- oder Europapolitik hat. Viele befürchten, dass der Mann der großen Worte nun landesweit Geld verschwendet, wie er es bereits als Bürgermeister gemacht hat. Leider waren all seine ehrgeizigen Bau- und Prestigeprojekte ein einziger Flop. (Manuel Meyer/APA)

Share if you care.