Frankreich: Gewerkschaften protestieren gegen Medienkonzentration

14. Juli 2004, 14:31
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Mediengiganten Socpresse und TF1 wollen Allianz schließen

Für großes Aufsehen und heftige Kritiken hat in Frankreich die Absicht der beiden Mediengiganten Socpresse (Gruppe Dassault) und TF1 (Gruppe Bouygues) gesorgt, eine Allianz zu schließen. Der Generalsekretär der französischen Journalistengewerkschaft SNJ ("Syndicat national des journalistes"), Francois Boissarie, will die Politiker in Frankreich und die europäischen Instanzen anrufen, um gegen diese "Medienkonzentration" vorzugehen.

Socpresse verlegt "Le Figaro" und "L'Express"

Die jüngst vom Flugzeugindustriellen Serge Dassault zu 82 Prozent übernommene Socpresse verlegt unter anderen die Tageszeitung "Le Figaro" und das Wochenmagazin "L'Express". TF1 ist der größte private Fernsehsender im Lande und Bouygues SA das führende Bauunternehmen.

Während Dassault das Amt des Socpressse-Geschäftsführers von seinem Vorgänger Yves de Chaisemartin übernommen hat, beteiligten sich Bouygues und seine Tochtergesellschaft TF1 vergangenen Donnerstag mit je fünf Prozent am Kapital des Presseverlages, der vom verstorbenen Medienmagnaten Robert Hersant ins Leben gerufen worden war und mittlerweile mehr als 70 Printmedien publiziert. Die Zeitungen der Gruppe erreichen eine tägliche Auflage von rund sechs Millionen Exemplaren.

"Europa kann angesichts dieser Konzentration, die in einem solchen Ausmaß in der französischen Presse noch nie da gewesen ist, nicht schweigen", betonte Boissarie, der früher selbst Gewerkschaftssprecher der Journalisten im "Figaro" war.

Brüssel genehmigte Übernahme

Brüssel hatte die Übernahme der Gruppe Socpresse durch die Industriegesellschaft Dassault genehmigt. "Nun befinden wir uns allerdings angesichts einer Synergie zwischen dem Fernsehen und den Printmedien, wir befinden uns schon im Bereich des staatlichen Marktes", sagte Boissarie. Er kündigte einen europäischen Rekurs an, dem sich auch andere Gewerkschaften wie die CGT anschließen werden.

"Big-Bang der Medienlandschaft"

Patrick Le Hyaric, Chefredakteur der kommunistischen Tageszeitung "L'Humanite", sprach in Bezug auf die Allianz zwischen Dassault und Bouygues von einem "wahrhaftigen Big-Bang der Medienlandschaft" und einer "in unserem Lande noch nie gesehenen Medienkonzentration". Serge July, Verleger der links unabhängigen "Liberation", betonte dagegen, dass Frankreich bisher "der höchsten Etappe medialer Konzentration" entgangen sei, nämlich "der Ehe von Fernsehen, Tags- und Magazinpresse, die in zahlreichen demokratischen Ländern bereits besteht".

July zeigt sich wegen des Medienpluralismus in Frankreich besorgt und kritisiert insbesondere, dass der neue Mediengigant von Unternehmen kontrolliert wird, "die von öffentlichen Märkten des Staates, der Armee und vom Bau von Infrastrukturen leben". Dadurch werde eine Konzentration des Werbemarktes entstehen, welche die Behörden in Brüssel alarmieren sollte. "Die Meinung von Brüssel wird kapital für die Pressefreiheit sein", so July.

Im Vorjahr nahm TF1 in Frankreich 54,7 Prozent der Marktanteile der französischen Fernsehwerbung ein. Der Anteil von Socpresse an der Werbung in den Printmedien erreicht dagegen 20 Prozent.

In einem Kommentar, der am Freitag von zahlreichen Zeitungen der Gruppe Socpresse veröffentlicht wurde, verteidigt Serge Dassault dagegen seine Position. Die "Stärke und Unabhängigkeit einer Zeitung" beruhe auf dem Vertrauen der Leser, einer guten finanziellen Gesundheit und der Einheit um gemeinsame Werte, so Dassault. (APA)

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