Deutsche Freizeitindustrie warnt vor Urlaubsstreichung

18. Juli 2004, 19:28
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CDU und FDP fordern einheitliche Feiertagsregelung für alle Bundesländer - Köhler: Reden über Arbeitszeitverlängerung "kann nicht tabu sein"

Die deutsche Freizeitindustrie schlägt wegen der derzeitigen Debatte über Arbeitszeitverlängerung Alarm. Verbandsvertreter warnen vor Einbußen, wenn Forderungen von Wirtschaftsverbänden und Politikern nach Mehrheit tatsächlich umgesetzt werden sollten. Auch in deutschen Tourismusorten gibt es Befürchtungen, dass Streichung von Urlaub oder Feiertagen Einbrüche bringen könnten. Dort wird bereits über Umsatzeinbußen geklagt, weil die Ferien auf weniger Tage als noch vor einigen Jahren konzentriert sind. Über eine Entzerrung der Ferienordnung wird regelmäßig diskutiert.

Die Diskussion über Mehrarbeit konzentrierte sich am Wochenende auf die Streichung von Feiertagen. Politiker von CDU und FDP erhoben am Wochenende die Forderung nach einheitlichen Feiertagen für alle deutschen Bundesländer. Schleswig-Holsteins Peter Harry Carstensen sagte der Zeitung Bild am Sonntag: "Bevor wir Urlaubstage streichen, sollten wir uns die Feiertage vornehmen. In Bayern haben die Leute 13 Feiertage, in Hamburg oder Schleswig-Holstein aber nur neun. Deutschland braucht eine einheitliche Regelung."

"Angleichung auf niedrigem Niveau"

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) sagte: "Ich hätte überhaupt nichts dagegen, die Zahl der Feiertage zu reduzieren." Unterstützung kam auch vom stellvertretenden FDP-Chef Rainer Brüderle: "Wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften unfähig sind, die Wochenarbeitszeit zu verlängern, bleibt als letztes Mittel die Angleichung der Feiertage auf niedrigerem Niveau."

Aus den Reihen des kleinen Regierungspartners, den Grünen, war schon zu Beginn des Jahres der Vorschlag gekommen, einen Feiertag zu streichen. Die Grünen verwiesen auf Frankreich. Die französische Regierung hatte im Jänner einen Gesetzesentwurf zur Abschaffung des Pfingstmontags als gesetzlicher Feiertag gebilligt. Bisher sperrt sich die SPD - auch wegen Druckes aus den Gewerkschaften - gegen solche Forderungen.

In die Debatte schaltete sich am Wochenende auch der neue deutsche Bundespräsident Horst Köhler ein. "Die Deutschen sind Urlaubsweltmeister und es kann nicht tabu sein, auch über Arbeitszeitverlängerung zu reden." (Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.7.2004)

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