Das Morden muss aufhören!

25. Juli 2004, 19:45
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Nach Meinung von Kritikern habe sich die EU in der Causa Sudan zu spät engagiert und agiere nach wie vor nicht effizient genug. Ein dringender Appell aus Brüssel widerspricht diesen Vorwürfen. - Kommentar der anderen von Poul Nielson

Das heutige Treffen der europäischen Außenminister in Brüssel findet vor dem düsteren Hintergrund der größten humanitären Krise der Welt statt, die sich in Darfur, Sudan entwickelt. Mehr als zwei Millionen Menschen sehen einem hoffnungslosen Elend entgegen. Viele von ihnen, die aus ihren Dörfern vertrieben wurden, sind aufgrund unzureichender Wasser- und Nahrungsmittelversorgung geschwächt und werden den Hungertod erleiden, wenn unsere Hilfe sie nicht rechtzeitig erreicht. Millionen Menschen hängen von der Hilfe der internationalen Gemeinschaft ab. Wir dürfen sie nicht enttäuschen.

Daher hat die Europäische Kommission heute zusätzliche Mittel in Höhe von 18 Millionen Euro für humanitäre Hilfe gebunden, um die Not der Millionen von Bürgern in Darfur, die von dem Konflikt betroffen sind, und die der Hunderttausenden zu lindern, die Unterschlupf im angrenzenden Tschad gesucht haben. Damit erhöht sich die Hilfe der Europäischen Gemeinschaft für die vom Konflikt betroffene Bevölkerung in Darfur auf insgesamt 88 Millionen Euro seit Beginn der Krise - was 48,7 Prozent der gesamten Hilfsleistungen entspricht, also mehr als jeder andere Geber bisher bereits gestellt hat. Wir rufen alle auf, unserem Beispiel zu folgen.

Unzählige Aufgaben sind zu lösen: Der Schutz der Zivilbevölkerung, die Betreuung von Opfern sexueller Gewalt und traumatischer Erlebnisse, die Verteilung von Notproviant, Saatgut und Werkzeugen, die spezielle Ernährung unterernährter Kinder, die Eindämmung von Krankheiten, die Sicherung des Zugangs zu sauberem Wasser und die Wasseraufbereitung, die Bereitstellung von Kleidung, Kochsets, Moskitonetzen, Wasserbehältern und Decken.

Die Hilfsmaßnahmen müssen unverzüglich erfolgen, großzügig und wirksam sein. Umso entmutigender ist es daher, dass unsere Hilfsarbeiter immer noch auf unnötige bürokratische Hindernisse stoßen und dass Krieg führende Parteien weiterhin unsere Hilfslieferungen angreifen. Diese Behinderungen sind inakzeptabel und müssen sofort gestoppt werden.

Die sudanesische Regierung und andere Konfliktparteien haben sich wiederholt verpflichtet, der humanitären Hilfe den ungehinderten Zugang zu den Opfern des Konflikts zu gewähren sowie das Morden und die Menschenrechtsverletzungen zu beenden. Es ist nun an der Zeit, diese Versprechen einzulösen. Die internationale Gemeinschaft wird ungeduldig.

Ein wenig Hoffnung schöpfen die Außenminister dennoch aus dem Auftreten der neuen Afrikanischen Union, die eine aktive Rolle bei der Suche nach einer Verhandlungslösung des Konflikts übernommen und diese Bestrebungen mit substanzieller Finanzhilfe seitens der EU durch die Entsendung von Militärbeobachtern begleitet hat.

Dies ist ein klarer Beweis dafür, dass die neue Entschlossenheit des Kontinents für Frieden und Sicherheit sich in mehr als nur Worten äußert und dass auch die Hoffnung der Millionen betroffenen Sudanesen auf ein friedliches Ende dieses Konflikts berechtigt ist. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.7.2004)

Poul Nielson ist EU-Kommissar für Entwicklung und humanitäre Hilfe
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