Austria: Die Ruhe vor dem Ehrgeiz

14. Juli 2004, 10:14
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Sportchef Kronsteiner über Meisterschaft, Manager und Machenschaften

Wien - Die Wiener Austria hat den Hauptsponsor Memphis verloren und den Fußball-Supercup gegen den Meister GAK im Elferschießen gewonnen. Günter Kronsteiner muss sich als Sportchef des Vereins mit dem größten Budget auch die höchsten Erwartungen hinaufdividieren lassen. Das im Elferschießen gewonnene Match gegen den GAK um den Supercup hinterließ freilich keinen überzeugenden Eindruck. Kronsteiner: "Wir sind taktisch besser geworden. Sionko rechts und Papac in der Innenverteidigung machen sich gut. Auf der linken Seite haben wir mit Dhedeene wegen seiner Pausen geredet."

Der Supercup schwächte Austrias Verteidigung, Afolabi und Verlaat verletzten sich, Kronsteiner will und muss jetzt wohl den Schweden Mikael Antonsson (IFK Göteborg) verpflichten. Obwohl er Florian Metz, einem Verteidiger aus dem eigenen Nachwuchs, Loblieder singt. Es ist wohl wie seit Jahren bei der Austria: Man verkündet, den Weg des Nachwuchses einzuschlagen, verweigert die Bezeichnung Legionärstruppe und kauft wohl noch den tschechischen Teamspieler Stepan Vachousek.

Kronsteiner: "Wir sind nur der Sechste in der Kadergröße, haben nur mehr einen 18-Mann-Kader, andere haben 22. Auch das Gagenniveau hat sich normalisiert. Andere zahlen bereits mehr." Das darf freilich bezweifelt werden, den vom GAK abengagierten Sionko wird ein Nettogehalt von einer Million Euro nachgesagt. Gagen kommentiert Kronsteiner nicht. Die beiden "Einsergoalies" Didulica und Safar bezeichnet er als Wettbewerbsvorteil, "andere haben nur einen Einser". Außerdem habe die Mannschaft das System (4-4-2 mit Variationen) endlich halbwegs verinnerlicht. "Und die Spieler wissen, dass wir uns auf sie verlassen, das ständige Kommen und Gehen hat sich aufgehört." Von den 18 Mann sind mit Vastic, Safar, Kitzbichler, Wagner, Kiesenebner, Dospel und den beiden Jungen Metz und Saurer acht Österreicher. In der Ersten werden auf Dauer wohl nur Vastic und Dospel stehen. Kronsteiner: "Wagner wird sicher das eine oder andere Match machen, und bei Kiesenebner schaut's sehr gut aus." Dessen Chancen stiegen durch Blanchards Verletzung im Supercup.

Die Austria hat am Mittwoch die Admira (neuer Trainer Bernd Krauss) zu Gast. Da weiß sie schon, wie am Vortag der Hauptgegner GAK in Innsbruck gegen den Aufsteiger Wacker Tirol in die Saison gegangen ist.

Auch Kronsteiner zählt wie GAK-Trainer Schachner Pasching ("die haben die halbe Innsbrucker Meistermannschaft") und Rapid ("gut verstärkt") zu den engeren Titelanwärtern. Kronsteiner: "Unser Vorteil ist vielleicht auch, dass der 13. bis 15. Mann sehr gut sind." Barcelona hat mehr eingekauft, aber Kronsteiner muss sich als Chef des kapitalstärksten Klubs mit Spielervermittlern wie dem Grazer Anwalt Christian Flick herumschlagen. Flick und sein Haberer Peter Westenthaler wurden vor Monaten gerüchteweise als das neue starke Duo der Austria gehandelt. Die Fans protestierten heftig, Westenthaler selber dementierte bei einem Treffen mit den Fans nur halbherzig. Als Flick den tschechischen Teamstürmer Heinz der Austria verkaufen wollte und Kronsteiner abwinkte ("für drei Millionen Euro uninteressant"), kam es zum Streit. Kronsteiner: "Das find' ich ja normal, dass Manager Spieler andienen. Ich krieg pro Tag 20 bis 30 Spielerprofile. Aber ich entscheide alleine, das müssen alle akzeptieren." (DER STANDARD, Printausgabe, Montag 12. Juli 2004, Johann Skocek)

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    Chef Stronach (rechts) legt in der Arbeit mit Austrias Sportchef Kronsteiner Wert auf die Trennung von Verantwortung und Aufgaben.

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